Brütten

«Es geht um Brütten und nicht weniger»

An einer Information am vergangenen Samstagmorgen erklärte Gemeindepräsident Fritz Stähli, wie es nach Rekursen mit der Zentrumsgestaltung weitergehen soll.

Das Interesse für die Zentrumsüberbauung und die weiteren Schritte war gross bei der Bevölkerung. (sg)

Der Gemeindesaal füllte sich zügig am 21. März, weitere Stühle mussten aufgestellt werden, um den rund 110 Personen Platz zu bieten, welche an den Informationen des Gemeinderates interessiert waren. Man spürte förmlich das stille Brodeln im Saal und die Neugierde, was wohl kommen wird. Im Dorf war das Verdikt der Baudirektion auf die Rekurse bereits im Vorfeld ein Thema, da die Ergebnisse von Rekurrenten an die Öffentlichkeit getragen wurden. Gemeindepräsident Fritz Stähli rügte dieses Vorgehen, waren doch die Urteile dannzumal noch nicht rechtskräftig. Jetzt habe man die Grundlage, verlässlich zu informieren.

«Wir wollen uns nicht ducken»

Fritz Stähli begann mit den Grundsätzen des Gemeinderates, was bei einigen Zuhörern für ein Augenverdrehen sorgte. Er zeigte anhand einiger der wegweisenden Projekte in Brütten und deren Abstimmungen, dass die Bevölkerung die Mehrzweckhalle Chapf, die Alpenblick 17-Überbauung oder den Chätzler jeweils kontrovers diskutierte, am Ende jedoch mit guten Resultaten gutgeheissen wurde. «Heute will niemand mehr darauf verzichten», so Stähli. Alle Beispiele zeigten, der Gemeinderat müsse dranbleiben, Ausdauer zeigen und «sich nicht ducken, wenn es schwierig wird».

Keine Ausnahmebewilligungen

Fritz Stähli zeigte den bisherigen Weg bis zum heutigen Projekt auf, welches eine hohe Gestaltungsqualität aufweise und zu Brütten passe. Er verwies darauf, dass der Gemeinderat mit einem ausgewiesenen Fachmann zusammengearbeitet habe, um die richtigen Schritte und rechtlichen Verfahren zu wählen. Unverständlich sei für den Gemeinderat, dass das Baurekursgericht ohne einen Augenschein zu nehmen – was normalerweise Usus sei – das Urteil fällte.

Stähli betonte auch, dass keine Ausnahmebewilligungen erteilt worden seien, «es ist innerhalb der gültigen Bau- und Zonenordnung.» Bei den Rekursen, deren Hauptbeanstandung die Einordnung und Gestaltung war, die Verkehrssicherheit und Erschliessung sowie Lärmschutz und Umgebungsgestaltung des Zentrumbaus, seien bis zu 40-seitige Repliken und Dupliken geschrieben worden – «man hatte das Gefühl, dass es nicht um die Sache geht, sondern darum, das Projekt zu verhindern», sagte Stähli deutlich.

Entscheid für Gestaltungsplan

Nach intensivem Austausch im Gemeinderat sei klar: aufgeben ist keine Option – daher gehe man den Weg des Gestaltungsplans. Dieser könne von der BZO abweichen, werde jedoch durch die Gemeindeversammlung abgenommen. Auch bei diesem Verfahren können Einwohner Einwände erheben und Rekurse gemacht werden. Man rechne mit rund eineinhalb Jahren Verfahrenszeit. «Die in den Rekursen erwähnten Kritikpunkte können ebenso einfliessen.» Der Gemeindepräsident beendete seine Präsentation mit den Worten: «Brütten hat die Weichen richtig gestellt. Aber es geht jetzt um Brütten und nicht weniger.»

Mit Kritik nicht gespart

Auch wenn die Diskussionen und negativen Voten – «das war wieder eine reine Werbeveranstaltung», «allgemeines Geplapper» – «ich brauche keine Begegnungszone mit Café, ich finde meine Leute, wenn ich sie treffen will», brachten zwei Anwesende ihre Kritik offen an. So störte sich ein Votant an der 30-prozentigen Mehrausgabe für die Tiefgarage und sagte, dass es sich der Gemeinderat einfach gemacht habe, diese Mehrausgabe als gebunden zu taxieren. Er frage sich, ob das so weitergehe. Desweitern stört ihn, dass man Land, welches er mit vier Millionen Franken Verkaufswert bezifferte, der Genossenschaft für lächerliche 40 000 Franken gebe. Zu Beginn hätte man von Räumen fürs Gewerbe gesprochen, dies sei plötzlich nichtig. Auch das Café sei schön dargestellt, aber es in eigener Regie zu betreiben, sei schwierig wenn nicht gar unmöglich, wie andere Beispiele zuhauf zeigten.

Ein weiterer Votant nahm die Kritik mit der Verkehrssituation auf der Brüelgasse auf: die Anlieferung für den Volg sei nicht durchdacht und werde auch durch eine Begegnungszone nicht besser gelöst. Am Ende sei ein wildes Parken ausserhalb des Perimeters die Folge.

Ideen, die Feuerwehr in den Chätzler zu verschieben und den Volg dort einzuquartieren, verwarf Stähli mit Blick auf die fehlende Zonenkonformität. «Der Chätzler ist als Arbeitsplatzgebiet bezeichnet. Das Amt für Raumentwicklung schaut bei solchen Projekten genau hin. Ich bin sicher, dass wir eine Lösung finden werden.» (sg)

Diesen Artikel können Sie liken!