Region

Gewinner auf beiden Seiten

Mit der Erhöhung der Zuweisungsquote für Asylsuchende anfangs Juni ging bei den Gemeinden die Suche nach der Unterbringung los. Während in Nürensdorf die erweiterte Asylunterkunft bereits wieder gut gefüllt ist, profitieren die Gemeinden Bassersdorf und Brütten von einer privaten Unterbringung in einer nicht genutzten Liegenschaft.

Sozialvorsteherin Erika Schäpper Trüb ist dem Vermieter Bruno Egli dankbar, dass er kurzfristig der Gemeinde seine Liegenschaft vermietet. (sg)
Beim Hausteil in Brütten stehen neben acht Zimmern auch noch Plätze im Freien zur Verfügung.(sg)
Auch eine moderne Küche steht zur Verfügung. (sh)
Wohnlich eingerichtete Zimmer. (sg)

Die neuen Kontingente für Asylsuchende, welche per anfangs Juni auf 1,3 Prozent vom Kanton festgesetzt wurden, hat den Gemeindeverantwortlichen einiges an Mehrarbeit gebracht. Auch wenn die Gemeindeverantwortlichen bereits wissen, dass die Situation immer wieder ändern kann und daher auch vorausschauend Unterbringungsmöglichkeiten prüfen und bereitstellen, ist es nicht einfach, da man meistens nicht genau weiss, wann die Personen anreisen und ob es Familien sind oder Einzelpersonen. Somit ist die Platzfrage mittlerweile ein immerwährendes Thema auf der Agenda der verantwortlichen Personen.

Fortwährende Aufgabe

Die Gemeinde Nürensdorf hat die Erweiterung des Asylzentrums an der Eigentalstrasse gerade noch rechtzeitig fertiggestellt und konnte anfangs Juni 24 zusätzliche Personen aufnehmen. Damit sind die neuen Räume bereits wieder belegt. Die Belegungsfrage gleicht einem Hamsterrad – laufend dran und immer zu spät.

In der Gemeinde Brütten sind Wohnungen ein rares Gut und daher stellt sich auch hier jeweils die Frage, wo bringt man die Personen unter? Bislang konnte man auf gemeindeeigene Liegenschaften zurückgreifen und Private nahmen ebenfalls einige Personen auf.

Ein eigentlicher Befreiungsschlag gelang der Sozialvorsteherin Erika Schäpper mit dem Angebot des Brütteners Bruno Egli, der Gemeinde seinen leerstehenden Hausteil an der Dorfstrasse/Hintergässli zur Verfügung zu stellen. Eigentlich plant der Hausherr seit längerem, die Liegenschaft vollständig zu sanieren – der Schweizer Heimatschutz behindert jedoch die Pläne seit längerem, so dass Bruno Egli für die nächsten zwei Jahre keine Möglichkeit eines Baubeginnes sieht und daher auf die Gemeinde zuging.

Absicht in Zweifel ziehen

Erika Schäpper griff gerne zu, denn: «In Brütten sind Wohnungen ein rares Gut und daher ist es für uns ein Segen, dass Bruno Egli uns den ganzen Hausteil zu einem moderaten Mietzins überlässt.» Und genau daran entzündeten sich auch einige Gemüter. Es wurde gemunkelt, dass Egli seine Abbruchliegenschaft noch vergolden wolle. Erika Schäpper wehrt sich vehement dagegen: «Eine solche Situation ist eine absolute Win-Win-Situation für beide Seiten und keinesfalls verwerflich!» Im Gegenteil, Bruno Egli habe sich noch ein Bein ausgerissen, um die Liegenschaft für die Bewohner herzurichten. Er habe noch Gestelle gezimmert, Wände mit Täfer verkleidet und sauber abgesperrt, wo sich die Personen allenfalls gefährden könnten. Zudem bezahle die Gemeinde einen ortsüblichen Mietzins im unteren Bereich, «von vergolden kann also keine Rede sein.» Dass man zudem zeitlich ein wenig Luft gewinne und einen neuen Planungshorizont von rund zwei Jahren ins Auge fassen könne, sei Gold wert.

Win-Win-Situation

Man erinnere sich: In Bassersdorf konnte die Gemeinde ebenfalls vom Privateigentümer des Löwen, Stefan Wasik, profitieren, welcher der Gemeinde seine Liegenschaft unentgeltlich zur Verfügung stellte. Auch dort bezeichnete Christoph Isler, Gemeinderat im Ressort Soziales + Asyl, dieses Geschenk als Win-Win-Situation, obwohl die Gemeinde noch einiges im Innern in Stand stellen musste. Auch wenn die Brüttener Liegenschaft nicht so gross wie der Löwen in Bassersdorf ist, so stehen doch acht Zimmer zur Verfügung, dazu eine Küche, ein Badezimmer und ein zusätzliches WC. «Die Zimmergrössen sind ein grosses Plus hier an der Dorfstrasse», sagt Erika Schäpper, «sie sind mit Garantie grösser als die Zimmergrössen in einem Container.»

Und tatsächlich: die Liegenschaft sieht nicht nach «Abbruchliegenschaft» aus, wenn man sie betritt. Die Zimmer sind hell und mit Täferwänden ausgekleidet, im Gang im ersten Stock ist Platz genug für einen gemeinsamen Bereich, die Küche mit der gelben Farbe hell und freundlich und vor dem Haus bieten ein Tisch und Stühle einen Platz an der Sonne. «Die Liegenschaft wurde bis vor kurzem von meinem Sohn bewohnt, daher ist sie auch gut unterhalten und die Küche und Nasszellen haben wir einmal neu gemacht», erklärt Bruno Egli. Sie sei nicht mehr zeitgemäss, daher wolle er renovieren.

Astronomische Containerpreise

Für Erika Schäpper ist die Unterbringung von traumatisierten Personen oder Familien «unter Boden in der Zivilschutzanlage» keine Option. «Sehr kurzfristig als Übergangslösung mag das möglich sein, aber längerfristig auf keinen Fall.»

Die Kostenrechnung sei schnell gemacht: In der heutigen Zeit Container zur Unterbringung anzumieten, gehe schnell in den Bereich von 300 000 bis 500 000 Franken, «da sind die Anschlusskosten für Abwasser, Wasser und Strom oder eine Baubewilligung» nicht einmal mitgerechnet.

Container an Gemeinden zu vermieten – sei es als Asylunterkunft oder als Überbrückung der ebenfalls grassierenden Schulraumproblematik –, ist heutzutage «dank» der Flüchtlingsproblematik ein Businessmodell erster Güte. Der Markt spielt und die Preise sind schon lange gestiegen. «Da muss ich nicht lange rechnen, um sogar auf eine Win-Win-Win-Situation zu kommen!», sagt Erika Schäpper bestimmt.

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