Alt-Bundesrat Ueli Maurer ist überzeugt vom Milizsystem
Anfangs November kamen die SVP-Mitglieder in den Genuss, von zwei gestandenen Politpersonen mehr über ihre Arbeit zu hören und zu verstehen, warum sie sich als Politiker einsetzen.
Der «heimliche Kommandoposten», wie SVP-Ortspräsident Jürg Stahl den Veranstaltungsort Pavillon Säntisblick ironisch nannte, war mit gegen 60 Personen sehr gut gefüllt. Die geeignete Kulisse für Alt-Bundesrat Ueli Maurer, der pointiert über seine Zeit als Politiker sprach. «Ich bin seit 55 Jahren in der Partei und der Politik», sagt Maurer. Ohne Freiwillige funktioniere das Milizsystem nicht, das sei vor 50 Jahren nicht anders gewesen. Jeder Bürger sei Teil der Politik.
Maurer zerpflückte drei der üblichen Ausreden, kein Amt übernehmen zu können und lieferte Anleitungen, wie man diese Punkte organisieren kann. Der Evergreen sei «ich habe keine Zeit»: Es sei letztlich eine Frage, worauf man anstelle des neuen Amtes – welches man als Hobby ansehen könne – verzichten wolle. Als Gegenleistung erhalte man viel Neues, man lerne täglich dazu und ein Amt gebe einem zwischenmenschlich durch Begegnungen viel. «Wenn etwas Freude macht, dann kann man es lösen.»
Lernbar im Alltag
Ebenso sei die Redegewandtheit lernbar – man solle doch den Kindern Märchen erzählen und könne so üben. Der dritte Punkt: «das kann ich nicht». Gesunder Menschenverstand helfe sehr bei der Lösung vieler Dinge. Wichtig sei, sich selbst zu sein und nicht eine andere, «bessere Rolle» übernehmen zu wollen. Nicht belehren, sondern zuhören und Raum schaffen, über Probleme sprechen zu können mit anderen und sie dann regeln. Am Ende wies Maurer darauf hin, dass die über 2000 Jahre gewachsene Kultur sich durch die Zuwanderung verändere und andere Kulturen im Alltag mehr Raum einnähmen – da sei es wichtig, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen und Widerstand zu bieten, um die eigene Kultur und Überzeugung zu behalten.
«Oft sind wir Rechtsextreme. Im linken Spektrum gibt es jedoch keine Extremen, dort sind es Aktivisten.»
Vermehrt Sozialthemen
Alt-Nationalrätin Therese Schläpfer unterstrich die Argumente ihres Vorredners und bestätigte, dass man durch Gespräche im Kreise Gleichgesinnter gestärkt werde – in seiner Meinung als auch im Amt. «Man wird nicht als Gemeinderat geboren», machte sie klar, aber wenn es rumort im Bauch, sei das eine gute Motivation für ein Amt. Schläpfer prangerte an, dass das Ressort Soziales oft an am linken Pol politisierende Personen gehe. Genau hier sei es wichtig, den bürgerlichen Gedanken einzubringen und die Sozialindustrie aufzuhalten.
Beide Politiker gaben der Presse ein schlechtes Zeugnis. Sie stören sich an den Formulierungen, die oft angewandt würden. «Wenn ein SVP-Politiker seiner Parteimeinung entlang stimmt, ist er ein Parteisoldat. Bei den linken Politikern ist er loyal», sagt Schläpfer. Maurer nennt auch ein Beispiel: «Oft sind wir Rechtsextreme. Im linken Spektrum gibt es jedoch keine Extremen, dort sind es Aktivisten.» Maurer hat eine einfache Regel für Politiker und Politikerinnen bereit: «Ich lese nichts mehr über mich, bin jedoch selbstkritisch und gebe mir jeden Abend eine Note – bin jedoch nie über die Note 4,5 hinausgekommen», schliesst er ironisch.
Peter Ball bestätigte anschliessend, dass die Arbeit als Gemeinderat sehr lehrreich sei und ihm immer noch Spass mache. Er appellierte an die jüngeren Zuhörenden, sich dafür zu melden. Jürg Stahl schloss die Runde und betonte, wie wichtig eine Ortspartei sei als kleinste Zelle für politische Arbeit: «Das schweizerische System startet in der Gemeinde und die Kaskade lebt von einer guten Basis.»

