Region

Crans-Montana-Katastrophe schwingt nach

Kurz vor den beiden Fasnachtsereignissen in der Region herrscht bei den involvierten Parteien grosse Ruhe. Die Katastrophe von Crans Montana am Neujahrstag wirkt zwar nach, die Sicherheitskonzepte für die Fasnacht und der Brandschutz folgen jedoch den bewährten Erfahrungen der Vergangenheit. Hektik ist nicht angesagt.

Freiwillige der Feuerwehr Bassersdorf waren zu Gast in der Sondersendung von SRF News zur Tragödie von Crans Montana und begleiteten ihren Kommandanten Stefan Vogler. (Copyright SRF/Gian Vaitl)
Stefan Vogler, Kommandant Feuerwehr Bassersdorf, erzählt über Ausnahmesituationen in der Feuerwehrarbeit. (Copyright SRF/Gian Vaitl)

Betroffenheit herrscht überall nach den katastrophalen Ereignissen in der Neujahrsnacht in Crans Montana. Feuerwehrkommandant Stefan Vogler von der Feuerwehr Bassersdorf war einer der eingeladenen Gäste für die Sondersendung von SRF News zur Brandkatastrophe am 4. Januar. Er hatte bereits beim Flugzeugabsturz in Bassersdorf als 20-jähriger Feuerwehrmann Dienst geleistet und stand Red und Antwort im Fernsehen, wie man mit einer Katastrophe zurechtkommen soll.

«Ein solches Ereignis wünscht sich niemand», fasst Vogler es zusammen und meint es stellvertretend für ausserordentliche Ereignisse wie einen Flugzeugabsturz oder eine Brandkatastrophe. «Man funktioniert professionell und macht seine Arbeit – aber irgendwann kommt der Mensch wieder hervor», erzählt Vogler vor seinen zahlreichen Kolleginnen und Kollegen der Feuerwehr, die ihn ins Studio von SRF begleitet hatten. Vor allem die Bilder, die man mit ansehen musste, verschwinden nicht so schnell: Geräusche und Gerüche bleiben im Kopf haften: «Ich habe Hühnerhaut, wenn ich diese Bilder aus Crans Montana sehe», sagt Vogler betroffen. «Es ist enorm, was es mit einem selbst macht, und daher ist man als Feuerwehrmitglied auch sehr betroffen und denkt an die vielen Helfenden, die im Einsatz waren.»

Tony Weiss, Kommandant der Feuerwehr Altbach, aus dem benachbarten Nürensdorf und Brütten, weiss, wovon Vogler spricht. Aus seinem Berufsleben bei der Polizei sagt er: «Ich habe viel Tragisches gesehen und kann nachvollziehen, was Stefan Vogler erzählt.» Auch wenn man in den vergangenen Jahren grosse Fortschritte erzielt hat und Care Teams sehr schnell vor Ort seien und neben Angehörigen auch die Einsatzkräfte betreuten, bleiben viele Eindrücke und Bilder zurück. «Wir sind ausgebildet darauf, sofort zu agieren und beginnen Schritt für Schritt, um aus der Chaos-Phase bei einem solch schwerwiegenden Ereignis in einen geordneten Einsatz zu gelangen. Das ist jedoch sehr schwierig», sagt Weiss.

Vogler hatte vor zwanzig Jahren «die Bilder zusammengesammelt in meinem Kopf und wie in ein Buch gelegt. Dann konnte ich es besser einordnen.» Beide erzählen, dass sie das Ereignis bewusst mit ihren Mannschaften thematisiert hätten, dass es einem Bedürfnis der Kolleginnen und Kollegen entsprach, die alle übereinstimmend sagten: «Hoffentlich passiert so etwas nie bei uns!»

«Wir müssen uns dennoch bewusst sein, dass es eine hundertprozentige Sicherheit einfach nicht gibt.»

Stefan Vogler

Fasnachtsevents folgen strikten Regeln

In Nürensdorf und Bassersdorf stehen mit der Fasnacht in beiden Orten zwei grössere Ereignisse Ende Januar und Mitte Februar auf dem Plan. Wurde aufgrund der Brandkatastrophe nun zusätzlich der Fokus auf Brandschutz gelegt und härtere Regeln verfügt von Seiten der Gemeinden?

Patrik Baumgartner, Leiter Bau + Werke der Gemeinde Bassersdorf, erklärt: «Nach einem solch tragischen Ereignis sind alle Personen, die in den Gemeinden und im Kanton für Sicherheitsfragen verantwortlich sind, natürlich hellhörig.» Man habe noch einmal die Abläufe überprüft und könne sich für die Fasnacht auf die Regeln, welche in der Festbewilligung getroffen wurden, verlassen. «Es sind hohe Anforderungen für Brandschutz und Sicherheit und es muss in einem Notfall funktionieren», so Baumgartner.

Auch der von der Gemeinde beauftragte Brandschutzexperte Jürg Schellenberg zeigt sich zuversichtlich: «Die Fasnacht findet bereits seit vielen Jahren statt und alle Stellen arbeiten sehr gut zusammen.» Es gebe klare Vorschriften zu Dekorationsmaterialien, Notausgängen und Fluchtwegen, welche er auch vor der Fasnacht jeweils kontrolliere, im Festzelt, der Möslihalle wie auch im Old Rütli Pub. «Und während der Fasnachtstage mache ich ebenfalls Stichproben.», erklärt Jürg Schellenberg.

Auch Obernarr Rolf Zemp beruhigt. Man habe es an der letzten Sitzung der Fakoba ebenfalls thematisiert und sich gefragt, ob Anpassungen nötig seien. Das Fazit sei: «Unser Sicherheitskonzept ist lange Jahre erprobt.» Sie wüssten genau, welche Materialien man nehmen könne. «Altes Zeugs, welches lange in Kästen lag und dessen Brandschutzschicht verkümmert ist, kommt bei uns nicht mehr zum Zug.» Mit einer geeigneten Bestuhlung in der Möslihalle könne man zudem die Anzahl festwilliger Besucher steuern und erreiche somit nie das erlaubte Limit.

Restrisiko bleibt immer

Bassersdorfs Feuerwehrkommandant Stefan Vogler, der eine Zusatzausbildung als VKF Brandschutzfachmann und -Experte hat, sieht es genauso: «Wir arbeiten alle sehr gut miteinander, sei dies nun die Gemeinde, die Polizei, die Feuerwehr, das Fakoba – die Kommunikation funktioniert und die Konzepte eben auch seit vielen Jahren.» Wenn von einer Stelle her ein «Nein» komme, dann werde es befolgt. Beim Mösli-Umbau habe man auf breite Treppen als Fluchtwege geschaut, beim Festzelt auf dem Dorfplatz seien Notausgänge ebenfalls seit ein paar Jahren Pflicht. «Wir müssen uns dennoch bewusst sein, dass es eine hundertprozentige Sicherheit einfach nicht gibt.»

Neue Bedrohungen beachten

Die Fasnacht ist ein Grossevent seit vielen Jahren und mittlerweile sind auch neue Bedrohungen zu beachten. Rolf Zemp dazu: «Für Märkte und andere Outdoor-Veranstaltungen ist die Terrorabwehr mittlerweile ein Thema.» Daher sei es ebenso wichtig, dass man nach jedem Anlass auch ein Debriefing mit allen involvierten Stellen durchführe und immer wieder nachjustieren könne, falls das nötig sei. «Kein Veranstalter eines Events dieser Grössenordnung kann sich ausruhen auf den Lorbeeren», sagt Zemp. Aber es sei sicher eine Stärke von Bassersdorf, dass alle am selben Strick zögen und nicht nur der Spass, sondern auch die Sicherheit genügend Augenmerk erhalte.

«Mittlerweile sind wir ein eingespieltes Team, jeder schaut auf andere Aspekte. Diese gute Zusammenarbeit und Kommunikation ist Gold wert.»

Tony Weiss, Kommandant Feuerwehr Altbach

Liste für periodische Kontrollen

Auch im benachbarten Nürensdorf werden die feuerpolizeilichen Dienstleistungen seit 2015 durch ein beauftragtes Ingenieurbüro geleistet. Gesetzlich festgelegt ist, wie oft periodische feuerpolizeiliche Kontrollen und die Verfahren für Baubewilligungen und Kontrollen zu erfolgen hätten. Christian Meierhans, Abteilung Bau und Liegenschaften, erklärt: «Die periodische Kontrolle ist gesetzlich vorgeschrieben. Die Gemeinde Nürensdorf unterhält eine Liste von Gebäuden, welche periodisch kontrolliert werden.»

Diese Liste werde ergänzt mit zusätzlichen Gebäuden, von denen der Gemeinderat von Fall zu Fall eine Kontrolle anordnet, obwohl dies gesetzlich nicht vorgeschrieben sei. «Diese Liste der periodischen Kontrolle umfasst alle Gebäude wie beispielsweise die Mehrzweckhalle oder die Schulhäuser, in denen Räumlichkeiten vermietet werden», sagt Meierhans. «Für Schulhäuser, Mehrzweckhallen, Kindergärten und den Bären gibt es zusätzlich umfassende und abgenommene Fluchtwegkonzepte und vom Betrieb her Evakuations-Abläufe», ergänzt er. «Es werden regelmässig Übungen durchgeführt.»

Seit der Crans Montana-Tragödie hätten sie tatsächlich auch Anfragen für freiwillige Kontrollen, sagt der Abteilungsleiter.

Bewilligungen mit Auflagen

Je nach Art und Umfang einer Veranstaltung ist eine Bewilligung der Abteilung Sicherheit erforderlich. Abteilungsleiterin Stefanie Larcher erklärt: «Ein wichtiger Bestandteil der Veranstaltungsbewilligung sind die feuerpolizeilichen Auflagen.» Diese würden in Absprache mit der zuständigen Brandschutzexpertin festgelegt und in die Bewilligung aufgenommen. «Vor dem Anlass sind zudem bei bestimmten Veranstaltungen Abnahmen erforderlich. Der genaue Zeitpunkt wird von den Veranstaltern organisiert und rechtzeitig mit der Feuerpolizei abgesprochen», führt Stefanie Larcher aus. Zusätzlich sind Kontrollen und stichprobenartige Überprüfungen durch die zuständigen Fachpersonen möglich.

Tony Weiss, Kommandant der Feuerwehr Altbach, bestätigt diesen Ablauf und kann wie sein Pendant in Bassersdorf von einer guten Zusammenarbeit erzählen. «Mittlerweile sind wir ein eingespieltes Team, jeder schaut auf andere Aspekte, wie beispielsweise verwendete Gasflaschen, die Durchfahrbreite für Blaulichtorganisationen oder gut verlegte Kabel, die sonst als Stolperfallen gelten. Diese gute Zusammenarbeit und Kommunikation ist Gold wert.»

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