Wie weiter mit dem Centrumshüsli?
Weil die Öffentlichkeit das Projekt zu wenig unterstützte, hat sich der Verein «Im Centrum» zurückgezogen. Das Schicksal des historischen «Centrumshüsli» ist nun wieder völlig offen.
Das Centrumshüsli ist zurück auf Feld eins. Drei Jahre lang hatte der Verein «Im Centrum» mit viel Herzblut darauf hingearbeitet, dem historischen Gebäude neues Leben einzuhauchen und «einen Ort für Kultur und Gemeinschaft zu schaffen», wie Vereinspräsident und Alt-Gemeinderat Christoph Füllemann sagte.
Interview mit Christoph Füllemann, Vereinspräsident
Haben Sie das «Aus» für das Centrumshüsli schon verdaut?
Nein. Drei Jahre lang haben ich und das ganze Team so viel Herzblut da hineingesteckt – das braucht noch etwas Zeit, bis wir das verdaut haben. Wir haben bis zuletzt gehofft, dass es klappt.
Woran ist es gescheitert? Was hätten Sie anders machen können?
Kultur hat es grundsätzlich schwer, nicht nur in Bassersdorf. Für mich ist das ein Beispiel der «Betroffenheitsdemokratie». Wer selber nichts mit Kultur anfangen kann, stimmt Nein. Vielleicht spielte auch – unter anderem – eine Rolle, dass gleichzeitig über die Fussballplätze abgestimmt wurde. Dort sind mehr Menschen direkt betroffen; also stimmt man den Millionenbeträgen zu. Um gleichzeitig zu sparen, verweigert man dem Kulturprojekt das Darlehen. Vielleicht hätten wir noch mehr Werbung machen müssen. Aber das kann man im Nachhinein immer sagen.
Wenn sich kein Käufer findet, droht das Haus zu zerfallen.
Ja, solche Fälle gibt es. Ich glaube allerdings nicht, dass die Kirche das zulässt. Ich hoffe immer noch, dass ein Privater kommt und damit etwas für die Öffentlichkeit macht. Vielleicht ist das blauäugig. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt. (bg)
Projekt knapp gescheitert
Die Vereinsmitglieder hatten Konzepte erarbeitet, finanzielle Zusagen von insgesamt 700 000 Franken gesammelt und sich gefreut, als die Gemeindeversammlung im September 2025 das benötigte Darlehen über 500 000 Franken guthiess. Dann allerdings verlangte ein Stimmbürger, dass das Darlehen der Gesamtbevölkerung unterbreitet wird und damit an die Urne musste. Dort scheiterte das Projekt Anfang März knapp mit rund 52 Prozent Nein-Stimmen.
Enttäuscht und traurig
Mit «grosser Enttäuschung» haben die Vereinsmitglieder den Entscheid zur Kenntnis genommen und schliesslich «schweren Herzens» entschieden, dass sie «das Projekt unter diesen Umständen nicht weiterführen können». Es fehlte der Rückhalt des Gemeinderates, eines Grossteils der Bevölkerung und die Summe von rund 700 000 Franken. Der Verein wird nach Entscheid über die Verwendung der restlichen Spenden in den nächsten Wochen aufgelöst.
«Uns bleibt die Erinnerung an die vielen gemeinsamen Momente, wie etwa die Tage der offenen Tür, die Ostereier-Suche für Kinder oder die wunderschönen Adventsfenster», schreibt der Verein in einer Mitteilung. Die schriftlichen Zahlungsversprechen sind hinfällig geworden; die Unterstützerinnen und Unterstützer bereits informiert.
Noch offen ist, was mit den Spenden passiert, die nicht für Gutachten oder weitere Ausgaben verwendet wurden – gemäss Schätzungen noch rund 22 000 Franken. «Laut Statuten geht das Vereinsvermögen an eine Institution mit ähnlicher Ausrichtung», teilt Füllemann mit. Welche das ist, oder ob das Geld anteilsmässig an die Spender zurückgezahlt wird, teile der Verein zu einem späteren Zeitpunkt mit.
«Ohne ein Projekt droht das Haus langfristig zu zerfallen.»
Haus mit vielen Auflagen
Damit ist wieder die Besitzerin am Zug, die Reformierte Kirche Breite. Statt das Haus wie geplant für den symbolischen Beitrag von 1000 Franken dem gemeinnützigen Verein zu überlassen, kommt das Gebäude nun laut Kirchenpflegepräsidentin Rahel Rageth in den nächsten ein, zwei Monaten auf den freien Markt. Daniel Brunner, ehemaliger Liegenschaftsverwalter der Kirchgemeinde, übernimmt diese Aufgabe im Mandat. «Wegen der Unterschutz-Stellung sind mit dem Haus aber viele regulatorische Zwänge verbunden», erklärt Rageth. «Dadurch verliert das Objekt für viele Käufer deutlich an Attraktivität.»
Genau diese Unterschutzstellung ist Adolf Kellenberger ein Dorn im Auge. Er war jener Stimmbürger, der an der Gemeindeversammlung die Urnenabstimmung verlangt und damit dem Projekt den Todesstoss versetzt hatte. Für ihn ist das Gebäude ein «Schandfleck, der die Kirche verdeckt» und er verlangt von der Gemeinde, die Unterschutz-Stellung aufzuheben. Er hofft, dass man das Haus abreissen könne.
Der Verein «Im Centrum» hofft indes, dass auch nach seinem Rückzug das Haus «als Kulturzeuge erhalten und der Bevölkerung zugänglich gemacht wird». «Ohne ein Projekt droht das Haus langfristig zu zerfallen», befürchtet der Verein. Das letzte Kapitel in Sachen «Centrumshüsli» dürfte noch lange nicht geschrieben sein.
