Bissiger Humor und politisch unkorrekte Witze
Ende Oktober trat die Komikerin Helga Schneider in der Pfarrei St. Franziskus mit ihrer Show «Sweet & Sauer» auf. Das Publikum lachte sich schlapp.
Heute dürfe man ja keine Witze mehr erzählen, stellt Helga Schneider ironisch fest. Früher sei man auf die Bühne gegangen, hätte einen Witz erzählt und alle hätten gelacht. «Heute kommst du gleich ins Gefängnis.» Aber sie versichert: Zuhause lasse sie es sich nicht nehmen, einen Witz zu erzählen.
Sie fragt sich: Ab wann ist ein Witz überhaupt gut? Ihre provokante Antwort: «Wenn er politisch unkorrekt oder sexistisch ist.» Wie ihr «Waldwitz»: Mitten in der Nacht trifft ein attraktiver Prinz im Wald auf eine Hexe, «ein altes und wüstes Weib» mit fettigen Haaren, Warzen und Herpes auf den Lippen. Auf ihrer Schulter sitzt ein schwarzer Rabe. Sie sagt zum Prinzen: «Junger Mann, das ist deine Glücksnacht. Wenn du herausfindest, wie das Tier auf meiner Schulter heisst, dann darfst du mit mir ins Bett.» Der Prinz, in Schweiss gebadet, sucht nach einem Ausweg. Er schaut die Hexe an, dann den Raben und sagt: «Sibirischer Tiger». Worauf die Hexe meint: «Jaaa, das lassen wir gerade noch gelten.»
«Ein Witz ist gut, wenn er politisch unkorrekt oder sexistisch ist.»
Nach viel Gelächter erklärt Schneider, warum dieser Witz heute hochproblematisch sei: Die Betonung der schwarzen Federfarbe des Raben? Rassismus. Die Annahme der Hexe, der Prinz sei heterosexuell? Er könnte auch schwul oder ein «Trans-Prinz» sein. Schliesslich könne die Hexe gar nichts für ihre Warzen und den Herpes – das sei Bodyshaming.
Heitere Atmosphäre
Von Anfang an bindet Schneider das Publikum ein. Sie erzählt unter anderem über eine Technik, um sich Namen besser merken zu können,– und mit viel Wortwitz probiert sie diese an der ersten Reihe aus. Auch ihren Techniker in der letzten Reihe integriert sie, als sie detailliert über ihre Erlebnisse in Hotels erzählt und über Sexszenen mit ihm fantasiert.
Mit bissigem Humor, einem Lachen, bei dem sie entweder grunzt oder keucht, sowie überraschenden Gags schafft sie eine Atmosphäre, in der sich das Publikum schlapp lacht. Selbstironisch beendet sie ihren Auftritt mit einem imaginären Rainer Maria Salzgeber und einem Interview mit der Frage: Sind Frauen lustig?

