Bassersdorf

«Mein Herz hat Platz für zwei Heimaten»

Bei Sonnenschein trifft sich ein zahlreiches Bassersdorfer Publikum auf dem Karl-Hügin-Platz und hört gebannt der 1. August-Rede zu von Nebojsa Racic, dem neuen Zentrumsleiter APZ Breiti.

«Wir müssen nicht alle gleich sein, um zusammen zu gehören», sagt Nebojsa Racic, neuer APZ-Leiter, an seiner 1.August-Rede in Bassersdorf. (bg)
Die Bänke sind bis auf den letzten Platz besetzt. (bg)
Nach dem gemeinsamen Singen des Schweizerpsalms heisst es Anstehen für die Verpflegung. (bg)

Nie hätte der gebürtige Serbe Nebojsa Racic geglaubt, dass er jemals eine Rede zum Nationalfeiertag der Schweiz halten würde. Doch knapp 30 Jahre, nachdem er der Liebe wegen – «und mit mehr Hoffnung als Geld im Gepäck» – in die Schweiz gekommen war, steht er genau da: Am 1. August-Rednerpult vor einem zahlreich erschienenen Bassersdorfer Publikum.

«Die ersten Monate in der Schweiz sind hart gewesen», erzählt Racic, der heute Leiter des APZ Breiti ist. Weder sein Diplom als Pflegefachmann noch sein Führerausweis seien anerkannt worden. So arbeitete er ein Jahr lang als Möbelträger, geplagt von der Einsamkeit, da er ausser seiner Frau kaum jemanden kannte und Anrufe zu Freunden und Familie in der Heimat damals zwei Franken pro Minute kosteten.

Das Leben anpacken

«Irgendwann kam der Punkt, an dem ich mir gesagt habe: Entweder klage ich jetzt ein Leben lang über meinen Verlust – oder ich nehme mein neues Leben selbst in die Hand.» Er lernte die Sprache, und aus dem Möbelträger wurde wieder ein Pflegefachmann, dann ein Abteilungsleiter, und seit vier Monaten sogar ein Pflegeheimleiter. Und dies, obwohl eine Personalfachfrau ihm einmal gesagt hatte: «Sie bringen zwar fachlich alles mit, aber mit dem Namen Racic werden Sie nie Heimleiter.»

Aus dieser Erfahrung hat er zwei Dinge gelernt: Wer in der Schweiz etwas erreichen wolle, erhalte eine Chance. Und: Niemals vorschnell über Menschen zu urteilen, schon gar nicht wegen ihres Namens. «Wir müssen nicht alle gleich sein, um zusammenzugehören», betont er. Die neue Heimat sei langsam in seinem Herzen gewachsen – «durch Begegnungen, Vertrauen und Verantwortung», sagt er. Diesen Gedanken verfolge er auch im APZ, das ebenfalls zur neuen Heimat für die Bewohnenden werden solle.

«Wunderbare Rede»

Um eine neue Heimat zu finden, müsse man die alte nicht aufgeben, führt er aus. «Ich bin stolz auf meine serbischen Wurzeln, aber mein Herz hat Platz für zwei Heimaten», sagt Racic. Seine Identifikation mit der neuen Heimat brachte ihn sogar dazu, mitten in der Nacht aufzustehen, um das WM-Spiel Schweiz gegen Argentinien zu schauen – was im Publikum für Schmunzler sorgt. Die Bassersdorfer hören Racic’s Rede gebannt zu und diverse Zuhörer gratulieren ihm anschliessend zu seiner «wunderbaren Rede».

Im Rahmenprogramm hat Gemeindepräsident Christian Pfaller ebenfalls betont, dass Gemeinschaft gelebt werden müsse und dass Freiheit, Frieden und Demokratie nicht selbstverständlich seien, sondern gepflegt werden müssen. «Bassersdorf ist mehr als ein Wohnort.» Es sei ein Ort der Gemeinschaft, eine Heimat.

The Dixie Corporation untermalte die Feier wie gewohnt musikalisch, und nach dem gemeinsamen Singen des Schweizerpsalms pflegten die Bassersdorfer die Gemeinschaft bei Wurst und Bier und angeregten Gesprächen.

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