Bassersdorf

Gasleck eröffnet Zivilschutzübung

Ende Oktober galt es ernst für die Mitglieder der Zivilschutzorganisation Hardwald. Eine gross angelegte Einsatzübung im Raum Bassersdorf forderte die Zivilschützer mit einem realitätsnahen Szenario: im Quartier Auenring stürzten Häuser ein und begruben Bewohnende unter den Trümmern. Aus Sicherheit musste das Quartier zwischenzeitlich evakuiert werden.

Ein Figurant konnte aus den Trümmern am frühen Morgen gerettet werden. (zvg)
Auch in der Nacht lief die Zivilschutzübung «Domus Ruina» weiter. Im Ohrbühl in Winterthur musste eine Gruppe in den Trümmern Personen retten. (zvg)
Höchste Konzentration. (zvg)

Domus Ruina – zu Deutsch: eingestürztes Haus. Der lateinische Name der umfassenden Einsatzübung, welche sich Adriano Meili, Bataillonskommandant Stellvertreter ZSO Hardwald und das höhere Kader mithilfe von Polizei, Feuerwehr und Sanität hat einfallen lassen, ist Programm.

Ein fiktives Zugunglück kurz vor dem Bahnhof Bassersdorf in aller Frühe bringt die Übung ins Rollen: durch das Zugunglück bilden sich Gaslecks, im Quartier Auenring stürzen Häuser ein und Verletzte rufen nach Hilfe – auch unter den Trümmern befinden sich Personen, die nach Hilfe rufen. Das Quartier muss aus Sicherheitsgründen für 48 Stunden evakuiert werden. Anlaufstelle ist der Notfalltreffpunkt Mösli, wo die rund 40 bis 60 Personen registriert und betreut werden. Nach den vermissten 20 Personen wird weitergesucht.

Hektik beeinflusst Resultat

Die Alarmierung unter 117 ruft die Feuerwehr, Polizei und Sanität auf den Platz, um den Unfallplatz aufzunehmen und weitere Schritte zu planen. Dieser Schritt hat sich mit der zeitgleich geplanten Übung der Feuerwehr überschnitten, die um fünf Uhr die Lage und den Umgang mit Personen am Notfalltreffpunkt Mösli schulte. Um sechs Uhr dann die Alarmierung des Kommandanten des Zivilschutzes und der Figuranten, welche im Szenario die Rolle verschiedener zu rettenden Personen einnahmen.

Der gesamte Übungsablauf wurde bereits ein Jahr im Voraus vom oberen Kader minutiös geplant und die Zielsetzungen für die Übung «Domus Ruina» festgelegt: die Arbeit beim Trümmereinsatz festigen und evakuierte Leute unterstützen. Für einmal stand nicht der Einsatz zugunsten der Gemeinschaft im Fokus, mit dem die meisten Bürgerinnen und Bürger die Zivilschutz-Dienstleistenden verbinden. Adriano Meili erklärt: «Mit dieser umfassenden Übung wollten wir unserer Kompanie vor Augen führen, was sie bei einem länger dauernden Einsatz mit Personen, die verletzt sind und baldmöglichst Hilfe benötigen, erwartet. Hektik und Lebensbedrohungen sind wenige im Alltag gewohnt und sobald Stress herrscht, reagiert jede Person wieder anders. Diese Grenzen wollten wir herausfinden.» Ebenso sei es wichtig, in Krisen die Köpfe der Partnerorganisationen und ihre Aufgaben zu kennen.

Es ging schon zu Beginn zur Sache: Die beiden Kommandanten der Zivilschutzorganisation Hardwald (ZSO Hardwald), Reto Haltinner und Adriano Meili weilten fiktiv im Tessin, so dass Schutz und Rettung Zürich den Kompanie-Kommandanten aufbot. Die Mitglieder der ZSO Hardwald wussten bereits ein Jahr im Voraus, dass ihnen eine Übung blüht, im Aufgebot war der Zeitpunkt auf 0 bis 10 Uhr morgens angegeben. Um sechs Uhr ging der Alarm raus.

Gut vorbereitet und informiert

Für eine Übung in dieser Grössenordnung sind einige Fragen zu klären und noch mehr Organisationen und Personen zu informieren: So stellen sich Fragen des Arbeitsrechtes, welche auf die Einsatzpläne vor Ort einen Einfluss haben. «Für diese Übung müssen wir umfassend informieren, von Schutz & Rettung Zürich, über die lokalen Blaulichtorganisationen, dem kantonalen Führungsorgan bis zum Amt für Zivilschutz, die jedes Aufgebot bewilligen müssen.»

«Es waren zwei Tage mit wenig Schlaf, viel Arbeit, aber auch grosser Befriedigung.»

Adriano Meili

Vor allem die Zusammenarbeit mit Blaulichtorganisationen, die zuerst vor Ort sind, will geübt sein, sagen übereinstimmend die Vertreter der Blaulichtorganisationen im Übungsstab. «Blaulichtorganisationen sind im Normalfall nicht für Situationen aufgeboten, die über 24 Stunden hinweg dauern. Umso wichtiger sind Absprachen und Übergaben am Ort des Geschehens», weiss Adriano Meili. «Die Polizei übernimmt vor Ort die Hauptleitung, übergibt dann aber bei längerer Dauer an die Einsatzleitung des Zivilschutzes. Dieser Übergang von Kompetenzen ist nicht ohne und muss gut geübt werden.»

Übung lebt mit Figuranten

Um die Übung möglichst realitätsnah zu gestalten, sind auch genügend Figuranten vonnöten. Daher hat der ZSO Hardwald die Eltern der Schuleinheit Mösli angeschrieben. Zwei Familien haben sich gemeldet, viele der restlichen rund 40 Figuranten waren aus benachbarten Zivilschutzeinheiten im Kanton. Genügend für die Übung? Adriano Meili führt aus: «Eine Erkenntnis ist für mich, den Mix der Figuranten besser zu wählen. Mir schien, als ob die Privatpersonen ernster genommen wurden in ihrer Rolle als die Kollegen anderer Zivilschutzeinheiten.»

Die Trümmerrettung und die gesamte Anlage der Zivilschutzübung wurde im Ausbildungszentrum Ohrbühl von Schutz & Intervention in Winterthur abgehalten. Dort stehen Räumlichkeiten und ein Gelände zur Verfügung, um verschiedenste Trümmerrettungseinsätze zu üben. So war denn auch nur noch von den einzelnen Auenring-Häusern die Rede, in denen die rund 160 Übungskräfte der ZSO Hardwald einzelne Trümmer entfernten oder Wände abstützten, um zu den Verletzten vorzudringen. Da die Übung sehr umfangreich war und bis tags darauf in den Nachmittag dauerte, musste die eingesetzte Kompanie aufgeteilt werden und arbeitete in Schichten. So wurden zusätzlich Schlafplätze und Verpflegung für die im Einsatz stehenden Personen als auch für die Figuranten nötig.

Wenig Schlaf, viele Erkenntnisse

Für Adriano Meili ist eine solche Übung trotz seiner umfassenden beruflichen Erfahrung ebenfalls herausfordernd. «Es waren zwei Tage mit wenig Schlaf, viel Arbeit, aber auch grosser Befriedigung.» Es wurde hart gearbeitet und trotz einiger Erkenntnisse, die man mitnehme, «sind wir bereit, wenn etwas passiert, um unsere Partnerorganisationen bestmöglich zu unterstützen.» Man müsse beachten, dass der milizmässig organisierte Zivilschutz eine andere Flughöhe bediene als die Blaulichtorganisationen.

Auch wenn man mehrheitlich anhand von Planungsspielen solche Szenarien durchgehe, sei eine solche Übung wie Domus eine andere Güteklasse. Meili erklärt: «Das Sprichwort: erstens kommt es anders und zweitens als man denkt, ist in solchen komplexen Ernstfällen eigentlich der erste Leitsatz. Jede im Einsatz stehende Person muss immer auf die Gegebenheiten, die gerade gelten, reagieren. Ist es nicht so wie eingeübt, muss man einen neuen Weg finden, ohne das Ziel aus den Augen zu verlieren.»

Er habe einige kleinere Felder notiert, die man nun in weiteren Ausbildungsübungen noch schärfen müsse, wie beispielsweise die Einrichtung des Kommandoplatzes, ein weiterer Punkt sei der Umgang mit den Gerätschaften. «Die Handhabung kann man nicht genug trainieren», sagt Meili lakonisch. Aber das Wichtigste: «Trümmerrettung braucht Zeit und einen kühlen Kopf. Auch viele Personen vor Ort führen nicht zum besseren Ergebnis, da wir uns langsam vortasten müssen und die Sicherheit aller im Auge behalten müssen.» Fazit für Adriano Meili: die Übung «Domus Ruina» ist geglückt.

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