APZ Breiti: Patient mit Langzeitwirkung
Das Alters- und Pflegezentrum Breiti (APZ) ist seit vielen Jahren ein Pfeiler in der Altersstrategie der Gemeinde Bassersdorf. Vor sieben Jahren wollte der damalige Gemeinderat das APZ unter eine externe Betriebsgesellschaft stellen und von der Gemeinde loslösen. Es scheiterte dannzumal an der Urne – sieben Jahre später ist es noch immer am selben Ort gefangen.
Im Alters- und Pflegezentrum Breit (APZ) in Bassersdorf bleibt wenig beim Alten. Mit verschiedensten Massnahmen versucht der Gemeinderat, den defizitären Betrieb wieder ins Lot zu bringen. Der Fakt der starken Zunahme des Anteils älterer Personen in der Bevölkerung zwingt die Gemeinden, ihre Versorgerstrukturen zu überdenken, um dem gesetzlichen Auftrag nachkommen zu können. Bassersdorf war bereits früh aktiv und hat mit verschiedenen Projekten einen fortschrittlichen Weg beschritten, während andere Gemeinden sich noch kaum damit beschäftigten. Eine Steuergruppe 65+ nahm sich dem Thema in vielfältiger Weise an und versuchte, proaktiv die kommenden Herausforderungen anzupacken. Eine Altersstrategie zementierte Strategien und Massnahmen und eine Stelle einer Altersbeauftragten wurde 2014 bereits geschaffen, welche für die vielfältigen Altersthemen sensibilisierte.
Steigende Pflegeminuten
Im Jahr 2017 plante der Gemeinderat Bassersdorf, den Betrieb des Alterszentrums Breiti zu professionalisieren und an eine externe Betreibergesellschaft auszulagern. Hintergrund waren die Veränderung in der Gesellschaft und der Klientel. Das Altersheim Breiti wurde immer mehr zum Pflegezentrum, liest man im Jahresbericht 2015. Und weiter: der Umfang an pflegerischen Leistungen sind von 850 000 Pflegeminuten 2014 auf über eine Million Pflegeminuten ein Jahr später angestiegen und um weitere 200 000 Minuten im 2016 gestiegen.
Die neu geschaffene geschlossene Demenzabteilung mit Demenzgarten war ein weiterer Meilenstein im APZ 2017. Die Komplexität der Führung eines Betriebes, der sich von einem Altersheim zu einem Alters- und Pflegezentrum wandelte, blieb latent vorhanden und gipfelte im Vorschlag des Gemeinderates, die Führung aus den Strukturen der Gemeinde herauszulösen und in eine externe Betriebsgesellschaft zu überführen, die jedoch über eine Leistungsvereinbarung mit der Gemeinde verfügen soll.
Die Abstimmungsphase wurde engagiert geführt. Mit einer Initiative eines Bürgers gelangte die Abstimmung am Ende an die Urne. Vor allem die Sozialdemokratische Partei störte sich am Vorschlag des Gemeinderates zu einer Privatisierung: «Die Erfahrung hat gezeigt, dass Privatisierungsgelüste im Service Public nie ein gutes Ende nahmen. Gerade bei einem Geschäft wie das der Pflege von Älteren ist Vorsicht geboten; Ist eine Institution privatisiert, lässt sie sich praktisch nicht mehr zurück in die öffentliche Hand überführen.» Der Souverän entschied sich am Ende gegen eine Privatisierung und für den Verbleib in den Strukturen der Gemeinde.
Déjà-Vu-Erlebnis
Rund sieben Jahre später steht das APZ noch immer in derselben Situation und der Gemeinderat prüft die Rechtsformänderung erneut. Vorgesehen ist hingegen keine Privatisierung, sondern eine eigenständige Organisation im vollständigen Eigentum der Gemeinde. Keine Minute scheint vergangen zu sein – einige Probleme dürften den Verantwortlichen als Déjà-Vu-Erlebnis wieder vor Augen treten.
Steigende Kosten
Seit das geänderte Pflegegesetz von 2011 verbindlich ist, zwingt es die Gemeinden dazu, sich über ihren gesetzlichen Auftrag und die Versorgung der älter werdenden Klientel Gedanken zu machen – und zwar schnell. Denn die Pflege- und Restfinanzierungskosten, welche die Gemeinden zu tragen haben, schlagen sich in den Jahresrechnung überall als hohe Posten nieder. Allein im Budget 2025 von Bassersdorf wird die Zunahme der Pflegefinanzierung stationär und ambulant mit 780 000 Franken beziffert. Waren sie im Budget 2024 mit 5,272 Mio Franken eingestellt (Rechnung 5,295 Mio Franken), rechnet der Gemeinderat für dieses Jahr mit rund 6,052 Mio Franken an Pflegefinanzierungskosten, satte 14 Prozent mehr.
Das Alters- und Pflegezentrum Breiti hat 2024 die Aufwandseite der Gemeinderechnung mit einem Defizit von 850 000 Franken zusätzlich belastet. Ein Betrag, den niemand so erwartet hatte und der den Gemeinderat zu sofortigem Handeln zwang. Das Ziel daraus ist klar: «Das Haus muss kostendeckend arbeiten», sagt Gemeinderätin Selina Stampfli, zuständig für das Ressort Gesellschaft.
«Die zahlreichen Herausforderungen im Betrieb heute bestätigen, dass der Vorschlag der Verselbständigung der Professionalisierung der richtige Weg bleibt.»
Spezifisches Fachwissen
Diese Erkenntnis basiert auf einer Betriebsanalyse, die aufgrund des hohen Defizites in die Wege geleitet wurde. Zwar gab es für die Pflegequalität gute Noten, dennoch wurden mehrere Massnahmen beschlossen und eingesetzt, unter anderem die Aufhebung der Co-Leitung und die Suche nach einer Fachperson für die Leitung des APZ, eine Tariferhöhung sowie der kürzlich gefasste Entscheid, die Demenzabteilung in eine ordentliche Pflegeabteilung zu überführen. Die Gemeinde arbeitet mit einer externen Firma zusammen – der casea ag –, welche spezifisches Fachwissen mitbringt. Selina Stampfli sagt dazu: «Der Bereich der Alterspflege hat sich in den vergangenen Jahren grundlegend gewandelt. Das sieht man am APZ sehr deutlich: ein ehemaliges Altersheim ist nun zu einem Pflegezentrum gewachsen und mit Bewohnenden konfrontiert, welche komplexere Krankheitsbilder aufweisen, meistens mit einer demenziellen Miterkrankung kombiniert.» Diese Komplexität zwinge die Betriebe dazu, sich professionell aufzustellen, in den Abläufen, in den Strukturen und personell. «Alle Probleme, die wir heute diskutieren, finden sich in den Szenarien wieder, die der Gemeinderat 2018 bereits angedacht hatte und lösen wollte. Einer der wichtigsten ist, dass für die Führung eines solchen Betriebes professionelles Fachwissen unumgänglich ist. Das können wir auf der Gemeindeverwaltung schlicht nicht aufbauen.»
Demenz integrieren
Das APZ ist bereits in die Jahre gekommen; neu gebaute Pflegeheime werden heute von Grund auf anders konzipiert. «Wir sind eigentlich zu klein, um den Betrieb wirtschaftlich zu führen. Die Verteilung auf mehrere Stockwerke macht den Betrieb deutlich aufwändiger.» Der Entscheid, die Demenzabteilung zu öffnen und über das ganze Haus zu integrieren, ermögliche es ihnen, mit einem anderen Betreuungsschlüssel und flexibleren Dienstplänen arbeiten zu können. «Demenzielle Krankheitsbilder sind heute keine Seltenheit mehr, sondern in leichteren oder schwereren Formen bei vielen Personen zu finden. Daher haben wir uns für eine Integration entschieden», sagt Selina Stampfli.
Eine Abgrenzung zum KZU Kompetenzzentrum Pflege und Gesundheit ist über die Komplexität der Fälle gewährleistet. Stampfli erklärt: «Komplexere Fälle, die mit Fremd- oder einer Selbstgefährdung einhergehen oder mit psychischen Einschränkungen können wir im APZ nicht pflegen, obwohl wir uns über die letzten Jahre ein gutes Fachwissen erarbeitet haben. Für solche Fälle ist das KZU spezialisiert und die richtige Institution.»
Dynamik fordert
Pflästerlipolitik im APZ? «Nein. Die Dynamik im Gesundheitswesen ist enorm in den letzten Jahren. Laufend werden Gesundheitsinstitutionen und die Gemeinden mit neuen Anforderungen konfrontiert, die sie umsetzen müssen. Dazu kommt der finanzielle Druck von Investitionen, der Fachkräftemangel und gesetzliche Vorgaben, die vielleicht nicht immer für alle Personen sicht- und erkennbar sind», sagt die Stampfli. «Die zahlreichen Herausforderungen im Betrieb heute bestätigen, dass der Vorschlag der Verselbständigung der Professionalisierung der richtige Weg bleibt.»


