Bassersdorf

In der Region soll psychische Gesundheit breiter wahrgenommen werden

Acht Gemeinde-Vertretende und Jugendbeauftragte in der Region beleuchteten die Situation rund um die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen an einem Vernetzungsanlass.

Aktuar Oliver Rey (2.v.l.) diskutiert mit Vertretern der Jugendarbeit und Thomas Huber, Stadtpräsident Rümlang. (zvg)

In der Vernetzungsgruppe «glow.das Glattal», der acht Gemeinden rund um den Flughafen angehören, werden nicht nur wirtschaftliche Themen besprochen und beleuchtet. In der Arbeitsgruppe «Glow AG Jugend» fand kürzlich ein Vernetzungstreffen statt, welches sich mit dem Thema der psychischen Gesundheit bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen beschäftigte. Seit 2022 ist Bassersdorfs Gemeinderätin Selina Stampfli Präsidentin dieser Gruppierung und der Jugendbeauftragte Oliver Rey führt das Aktuariat.

Zusammenarbeit fördern

Nach einer Einführung in die aktuelle Situation im Kanton Zürich wurden in fünf Workshops verschiedene Aspekte des Themas genauer erörtert. Rund 40 Teilnehmende aus Politik, Jugendbeauftragte und Jugendarbeitende aus den Glow-Gemeinden nahmen die Gelegenheit wahr, sich zu vernetzen und Teil dieser Auslegeordnung zu sein. Erst wenn sich Fachpersonen und Behördenmitglieder kennen, dann wissen sie auch, an wen sie sich für regionale Anliegen wenden können. Oliver Rey erklärt: «Es geht bei der Vernetzung auch darum, Information zu sammeln für die eigene Arbeit. So wurde ein Methodenkoffer vorgestellt für die Jugendarbeit oder das Projekt ‹back on track› aus dem Bezirk Dielsdorf, welches ein Jugendcoaching anbietet für Jugendliche, welches gut genutzt wird und schon niederschwellig Hilfe anbietet.» Diese Gemeinden hätten sich bewusst für ein solches ambulantes Jugendcoaching entschieden und können es als Erfolgsgeschichte verbuchen. «Davon können andere Gemeinden durch solche Plattformtreffen erfahren und profitieren», ist Oliver Rey überzeugt.

«Der Druck durch die Präsenz mit Sozialen Medien ist nicht zu unterschätzen.»

Oliver Rey, Aktuar der Arbeitsgruppe «Glow AG Jugend» und Jugendbeauftragter in Bassersdorf

Druck durch Soziale Medien

Mit Zahlen belegte Claudia Schmid-Weber von okaj Zürich, der Kantonalen Kinder- und Jugendförderung, dass sich jeder fünfte Jugendliche in der Schweiz häufig psychisch belastet fühle, 36 Prozent der Jugendlichen berichteten über Phasen der Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit oder Angstzuständen. Etwa neun Prozent der Jugendlichen gäben in nationalen Jugendumfragen an, in den letzten zwölf Monaten Suizidgedanken gehabt zu haben. Oliver Rey dazu: «Der Druck durch die Präsenz mit Sozialen Medien ist nicht zu unterschätzen. Inhalte abzuliefern, gut auszusehen oder Bescheid zu wissen, was auf Social Media läuft, erzeugt unweigerlich Stress. Hier sind alle gefordert – vom Elternhaus, über die Lehrerschaft, der Jugendarbeit bis zur Gesellschaft –, um dieses Verhalten zu reflektieren und einen vernünftigen Umgang zu ermöglichen, der nicht in eine Verhaltenssucht oder psychische Belastung ausartet.»

Öffentlicher Diskurs wichtig

In der Schule Bassersdorf beispielsweise beginnt die Prävention ab der dritten Klasse mit Workshops zur Nutzung der mobilen Geräte bis in die Oberstufe, bei der auch übermässiger Handy- und Spielkonsum angesprochen wird. Man müsse die Lage jedoch nicht dramatisieren, so Oliver Rey. «Die Jugendlichen sind nicht weniger leistungsfähig oder verweichlichter als früher. Es gibt sehr viele Jugendliche, die machen es sehr gut, gehen ihren Weg und können mit Stress, Handy, Fernsehen oder Konsum ganz gut umgehen. Das müssen wir auch respektieren und anerkennen!» Diejenigen, welche durch die Maschen fallen, benötigen jedoch besondere Aufmerksamkeit aus dem Helfendennetzwerk.

Der nächste Schritt für die Arbeitsgruppe «Glow AG Jugend» ist nun, die Vernetzung weiter zu treiben und das Thema psychische Gesundheit weiterzuverfolgen – auch über die anstehenden Behördenwahlen hinaus, bei denen neue Akteure in den Gemeinden auftauchen. «Wir möchten das Thema psychische Gesundheit bei Kindern und Jugendlichen im öffentlichen Diskurs festigen und so erreichen, dass die Gemeinden die Lage ernst nehmen und bei ausgewiesenem Bedarf auch Beträge sprechen für Projekte, wie dasjenige von Dielsdorf.»

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