Persilschein vom Bundesamt
Die Grossbaustelle für den Brüttenertunnel schlägt hohe Wellen. Die Bauarbeiten sind nicht nur zu sehen, sondern in den letzten Wochen auch gut zu hören – die ganze Nacht hindurch.
Es ist heftig: der Lärm der derzeitigen Bauarbeiten an der SBB-Baustelle nahe beim Bahnhof rauben der Region den Schlaf. Sogar in Nürensdorf und weiter weg gelegenen Ortsteilen von Bassersdorf hört man mitten in der Nacht das Dröhnen der Baumaschinen. Auch wenn man mit dem Fluglärm bereits einiges gewohnt ist, übertreffen diese nächtlichen Arbeiten diesen bei Weitem und erreichen Spitzenwerte auf der Lärmskala. Kein Wunder, quillen die Kommentare der Facebook-Gruppe «Du bisch vo Basi …» über und selbst die grösseren Landesmedien werfen sich auf das Thema Baulärm in Bassersdorf.
Der krasse Lärm, der in den letzten Wochen zu mehreren Anfragen bei der Gemeinde als auch bei den SBB führte, kommt vom Einbau der Spundwände (wir berichteten). Ein Teil der lauten Spundwandarbeiten muss aus Sicherheitsgründen in der Nacht ausgeführt werden, wenn der Bahnverkehr ruht, teilen die SBB mit. Lärmschutzwände oder neu eingesetzte Schalldämpfer, welche wegen der Nähe zu den Geleisen und Fahrleitungen nicht immer eingesetzt werden können, nützen faktisch nichts. Die Anwohner können nicht schlafen und ärgern sich, dass diese Lärmbelästigung überhaupt zugelassen wird von der Gemeinde und den SBB und bezweifeln, dass die Lärmschutz- und Baunormen eingehalten würden.
Massnahmen gefordert
Wie die SBB auf ihrer Homepage schreiben, halten sie sich an die Baulärm-Richtlinie des Bundesamtes für Umwelt. Das zuständige Bundesamt hält dafür einige Massnahmen fest: so beispielsweise Information der Anwohnenden, eine Anlaufstelle für Fragen rund um die Bautätigkeit und die Maschinen müssen dem neusten Stand der Technik entsprechen. Die SBB halten dies ein und informieren die Anwohnenden im nächsten Bauperimeter mit Flugblättern, und bald soll auch ein Infozenter eingerichtet sein.
Dennoch geniessen die SBB für lärmige Arbeiten wegen des Bahnbetriebs und notwendiger Gleisarbeiten Privilegien. Im August 2026 ging ein Schreiben vom Bundesamt für Verkehr (BAV) an die vom Bau betroffenen Gemeinden, an den Kanton und die Kantonspolizei Zürich mit folgendem Inhalt: «…Besonders unangenehm sind Nachtarbeiten, die der grundsätzlich geltenden Nachtruhe widersprechen. Betroffene könnten sich daher fragen, ob diese Nachtarbeiten bewilligt und damit rechtskonform sind», steht geschrieben. Im Brief geben sie dazu auch gleich eine klare Antwort: «Um allfällige Missverständnisse zu vermeiden, bestätigt daher das BAV mit diesem Schreiben gegenüber kantonalen und kommunalen Behörden genauso wie gegenüber Privatpersonen, dass es die mit dem Projekt Mehrspur Zürich-Winterthur verbundenen Bauarbeiten sowohl am Tag als auch in der Nacht rechtskräftig genehmigt hat. Die SBB benötigen hierfür keine zusätzlichen kantonalen oder kommunalen Bewilligungen.»
Der «grosse Dank» für das Verständnis der Anwohnenden als Schlusssatz mutet wie ein Schlag ins Gesicht an. Dieser Persilschein für die lauten Nachtarbeiten ist für die geplagte Bassersdorfer Bevölkerung kaum ein Trost. Weitere zehn lärmige Nächte haben die SBB bereits in ihrem Anwohnerschreiben bestätigt.



