Sporthelden begeistern Schüler
Vier Nachwuchstalente aus dem Sport haben vergangene Woche die Sekundarschulen Mösli in Bassersdorf und Hatzenbühl in Nürensdorf besucht. Der Bassersdorfer Business Circle (BBC) organisierte das Projekt «Champions in Classrooms» gemeinsam mit den Schulen. Die Schüler trainierten mit den Sportlern und konnten allerlei Fragen zum Alltag der Nachwuchstalente stellen.
Kurz vor acht Uhr werden in der Turnhalle Hatzenbühl noch die letzten Bänke zurechtgerückt. Ein Mikrofon wird getestet, Schüler tuscheln aufgeregt. Dann öffnet sich die Tür, Musik erklingt, Simon Knak, Eishockeyspieler bei den ZSC Lions, und Annic Büchi, Eishockeyspielerin beim EV Zug, betreten die Halle. Für die beiden Nationalspieler ist es eine Rückkehr an einen vertrauten Ort. Beide besuchten einst selbst die Sekundarschule Hatzenbühl. Heute kehren sie mit Medaillen und Erfahrungen aus dem Spitzensport zurück.
Knak kommt dabei fast direkt vom Eis in die Turnhalle: Ende Mai gewann er mit der Schweizer Nationalmannschaft die Silbermedaille an der Heim-Weltmeisterschaft. Auch Büchi durfte in diesem Jahr bereits einen grossen Erfolg feiern und gewann mit der Schweizer Nationalmannschaft Bronze an den Olympischen Winterspielen in Mailand. Einen ganzen Morgen lang können die Schülerinnen und Schüler mit den beiden Sportlern verbringen, Fragen stellen und sich sportlich mit ihnen messen. Das Programm haben sie selbst zusammengestellt. Den Auftakt macht ein Interview.
Fragen an die «Champions»
«Wissen kann man es nie, aber hoffen und an seine Ziele glauben», antwortet Büchi auf die Frage, ob sie damit gerechnet habe, erfolgreich zu werden. Drei Schülerinnen stellen den beiden Sportlern abwechselnd Fragen. Dann übernimmt ein zweites Moderationsteam bestehend aus drei Jungs. Ob sie denken, dass sie etwas im Leben verpasst haben, fragt einer der Schüler. «Es gab vielleicht schon ein paar Sachen und klar, manchmal konnte man nicht so viel unternehmen wegen des Trainings», sagt Knak. Ein bisschen Schule habe er auch verpasst, ergänzt er mit einem Schmunzeln.
Knak und Büchi sitzen auf zwei Sprungkästen, die Jugendlichen ihnen gegenüber auf Bänken. Die Fragen drehen sich auch um den Alltag als Spitzensportler: Was isst man vor einem Spiel? Was passiert unmittelbar vor dem Anpfiff in der Garderobe? Wie schafft man es, erfolgreich zu werden? «Der Leidenschaft nachgehen, immer dranbleiben, und dann kommt es gut», antwortet Büchi darauf. Knak ergänzt: «Man darf den Spass nicht verlieren, Freude haben und an die guten Zeiten denken, wenn man durch schwere geht. Denn es kommen wieder bessere.»
Vorbilder aus der Region
«Junge Menschen brauchen Vorbilder», sagt Cyrill Zimmermann, Vorstandsmitglied des Bassersdorfer Business Circle (BBC). Er hat den Event «Champions in the classroom» zusammen mit den Schulen organisiert. Das Konzept kommt ursprünglich von Rainer Maria Salzgeber. Vor fünf Jahren lud er Joana Heidrich, Giulia Steingruber, Diego Benaglio und Reto Hug in die Turnhallen ein. Zimmermann sagt, ihm sei es diesmal wichtig gewesen, Sportler aus der Region einzuladen. Einerseits, weil der BBC vor allem den Zweck verfolgt, die Vereine und Sportler aus der Region Bassersdorf-Nürensdorf-Brütten zu fördern, und andererseits, weil es zeigt: «Jeder kann es schaffen, auch wenn man aus einem kleinen Dorf wie Nürensdorf kommt.»
Annic Büchi, Women’s League Eishockeyspielerin beim EV Zug
Hattest Du auch ein Vorbild, das Dich inspiriert hat?
Ja, früher war es sicher Alina Müller, die den Weg vorgespurt hat, nach Amerika gegangen ist und eine super Hockey-Spielerin ist. Sicher auch mein Bruder, der mit mir begonnen hat, Hockey zu spielen und immer schon eins weiter war als ich. Zu ihm habe ich auch hochgeschaut. Und nachher bei Winterthur war es Stefanie Wettli, die ein bisschen weiter war als ich.
Was motiviert Dich heute und treibt Dich an im Sport?
Sicher das Team. Wenn ich sehe, was meine Teamkolleginnen machen, dann denke ich mir, ja doch, ich mache jetzt auch noch ein bisschen mehr, wenn sie ein bisschen mehr machen. Aber auch die Ziele, die wir uns als Mannschaft setzen, da gibst du nochmals ein bisschen mehr Gas, um die Ende Saison zu erreichen. Und natürlich meine persönlichen Ziele.
Welchen Tipp gibst Du heute Jugendlichen mit, die ihre Träume verwirklichen wollen?
Immer dranbleiben, immer Freude haben. Ich glaube, wenn es einem Spass macht, ist es viel einfacher und dann kann man auch viel besser Phasen wegstecken, die nicht so einfach sind. Man erinnert sich zurück und spürt, dass es eine Leidenschaft ist. Dann kommt’s gut. (an)
Am Montag und Dienstag fand dasselbe Format in Bassersdorf in der Sekundarschule Mösli statt. Am Montag waren Nina Metzger, Unihockey-Nationalspielerin bei den Kloten-Dietlikon Jets, und Pia Sonderegger, Erstliga-Stürmerin bei Unihockey Bassersdorf Nürensdorf (UBN), vor Ort für die Schüler und Schülerinnen. Am Dienstag dann Knak und Büchi. Auch dort wurde fleissig Sport getrieben und die Sportler mit Fragen gelöchert.
Kräftemessen mit den Sportlern
Nach den vielen Fragen werden Büchi und Knak selbst auf die Probe gestellt. Die Schülerinnen und Schüler haben einen Parcours vorbereitet. Sieben Posten müssen in Zweierteams absolviert werden. Handstände, Burpees, Squats mit Medizinbällen und immer wieder Laufrunden sorgen dafür, dass alle ins Schwitzen kommen.
Bevor der Parcours losgeht, wird Knak noch zu einer Liegestütz-Challenge herausgefordert. Nach 37 Wiederholungen liegen die meisten Schüler erschöpft auf dem Boden. Bei 41 sind nur noch Knak und ein Schüler übrig. Es wird gratuliert und kräftig die Arme ausgeschüttelt.
In der zweiten Hälfte des Morgens haben die Jugendlichen Mini-Turniere geplant. Es werden Fussball, Pantherball und Unihockey gespielt. Beim anschliessenden Mittagessen findet ein reger Austausch zwischen den Schülern und den beiden Sportlern statt. Knak und Büchi verteilen Autogramme und machen Fotos. Die Jugendlichen drängen sich um die Tische und bewundern auch die Medaillen, die die beiden Sportler mitgebracht haben.
Heimspiel im Hatzenbühl
«Auch wenn es mehr Arbeit für alle bedeutet und viel Organisation dahintersteckt: Man muss es trotzdem unbedingt machen», sagt Zimmermann über das Projekt. Man müsse auf jeden Fall versuchen, solche Anlässe regelmässiger zu veranstalten, natürlich nach Möglichkeit und auch nach Verfügbarkeit von den Sportlern, die alle einen vollen Terminkalender hätten. «Diese Nähe, die es gibt zu Vorbildern bei solchen Anlässen, ist wichtig für junge Leute», betont Zimmermann nochmals abschliessend.
Für Knak und Büchi war das im Sportler-Jargon ein Heimspiel: Beide haben die Sekundarschule Hatzenbühl besucht und auch das eine oder andere Mal die Turnhalle betreten. Von dort auf die internationale Bühne – und wieder zurück in die Turnhalle, wo die nächste Generation zuhört. Ein Morgen, an dem die Schüler und Schülerinnen gesehen haben, dass Weltklassekarrieren nicht zwingend im Grossen beginnen. Manchmal beginnen sie in einer Turnhalle in Nürensdorf.

