Nürensdorf

Süsse Träume in Las Vegas

Confiseurin Michaela Röll besuchte im Frühjahr einen Meisterkurs von Starpatissier Amaury Guichon in Las Vegas. Sie möchte die Erfahrungen in ihre Arbeit einfliessen lassen.

Michaela Röll war in Las Vegas in ihrem Element und lernte viel dazu. (zvg)

Wer sich für die Welt der Schokolade begeistert, kennt seinen Namen: Amaury Guichon zählt zu den bekanntesten Chocolatiers der Gegenwart. Mit spektakulären Schokoladenskulpturen begeistert der französisch-schweizerische Chocolatier Millionen Menschen auf Social Media und wurde durch die Netflix-Serie «School of Chocolate» weltweit bekannt. Für Michaela Röll aus Birchwil wurde er zum Auslöser eines besonderen Abenteuers. Im Frühjahr 2026 absolvierte die gelernte Konditorin-Confiseurin einen siebenwöchigen Kurs an Guichons Pastry Academy und kehrte mit neuen Techniken, frischen Ideen und viel Inspiration zurück.

Störende Mehlallergie

Dabei hatte Röll nicht geplant, beruflich nochmals in die Welt der Confiserie einzutauchen: «Eigentlich wollte ich wieder klein anfangen und für den Kollegenkreis Kreationen entwerfen», sagt Röll. «Zehn Jahre habe ich auf dem Beruf gearbeitet und habe ihn wegen einer Mehlallergie an den Nagel gehängt. Ich habe als Quereinsteigerin in die Versicherungsbranche gewechselt», so die zweifache Mutter. Die Leidenschaft für Süsses blieb jedoch bestehen. Heute ist sie selbstständige Confiseurin und gestaltet Schokoladenkreationen sowie Dessertbuffets für ihre Kundschaft.

Den entscheidenden Anstoss für die Weiterbildung gab Instagram. Dort verfolgt Röll seit Jahren die Arbeiten von Guichon. Je häufiger sie dessen Schöpfungen sah, desto stärker wuchs der Wunsch, ihr Fachwissen aufzufrischen und zu erweitern. Nach Gesprächen mit ihrem Ehemann entschloss sie sich, den Schritt zu wagen und sich für den renommierten Kurs zu bewerben.

Lange, vollgepackte Tage

Die Ausbildung erwies sich als ebenso anspruchsvoll wie lehrreich. Gemeinsam mit zwölf Teilnehmenden aus verschiedenen Ländern verbrachte Michaela Röll intensive Wochen in Las Vegas. Geleitet wurden die Kurse von Guichon und dem belgischen Chocolatier Michel Ernots. «Die Tage waren sehr vollgepackt», erinnert sich Röll. Jede Woche stand unter einem neuen Thema, das Theorie und Praxis miteinander verband. Neben der Herstellung von Desserts und Pralinen standen auch Fachkunde, Materialwissen und moderne Techniken im Mittelpunkt. «Dass man mit der Mikrowelle Couverture schmelzen kann, war neu für mich», so Röll.

Besonders beeindruckt war sie von den neuen Arbeitsmethoden. «Dank meiner Schweizer Ausbildung kannte ich vieles bereits. Trotzdem habe ich zahlreiche neue Techniken kennengelernt», sagt sie. Zu den besonderen Herausforderungen gehörte die Anfertigung eines Schokoladen-Schaustücks. Die Aufgabe bestand darin, einen Pandabären aus Schokolade zu gestalten – ein Projekt, welches handwerkliches Können ebenso wie Kreativität erforderte.

Ideale Temperatur

Die neu gewonnenen Erfahrungen möchte sie nun in ihre eigene Arbeit einfliessen lassen. Produziert wird derzeit noch im Atelier zu Hause. Gerade im Sommer stösst sie dabei allerdings an Grenzen. «Bei den heissen Temperaturen ist es schlicht nicht möglich, mit Schokolade zu arbeiten. Temperaturen zwischen 18 und 20 Grad sind ideal», erklärt Röll. Auch wird sie zusätzliche Räumlichkeiten mieten, um die Produktion auszubauen.
Ein weiteres Ziel ist es, die starke Abhängigkeit von den saisonalen Höhepunkten rund um Ostern und Weihnachten zu verringern. Hoffnung setzt sie dabei in eine Zusammenarbeit mit einer Floristin. «Es bereitet mir einfach grosse Freude, Menschen glücklich zu machen», sagt Röll.

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