Brütten feiert sich selbst
Im Beisein von viel regionaler Politprominenz wurde das grosse dreitägige Jubiläumsfest mit einem offiziellen Festakt und diversen Reden eröffnet.
In der bis auf den letzten Platz besetzten, blau-gelb-weiss dekorierten Chapf-Halle und in Sauna-Atmosphäre eröffnete Brüttens Gemeindepräsident Fritz Stähli das Jubiläumsfest zu Ehren des 1150-jährigen Bestehens der Gemeinde – Brütten war als «Pritta» im Jahr 876 erstmals schriftlich erwähnt worden. Dabei hielt Stähli seine Rede nach dem Bikini-Prinzip: knapp genug, um das Interesse zu halten, aber doch so, dass alle wichtigen Punkte abgedeckt waren.
Vereine sind Brüttens Herz
Dabei hob Stähli alle Vorzüge Brüttens hervor, von der Panorama-Lage bis zur soliden Finanzlage. «Der grösste Pluspunkt von Brütten sind aber seine Vereine», betonte Stähli. Die Energie der Dorfvereine würden ganz Brütten prägen. «Ohne Vereine gäbe es dieses Dorffest nicht», so Stähli.
Rickli im Steuerhimmel
Natalie Rickli, SVP-Regierungsrätin, knüpfte in ihrer Festrede an Brüttens Trümpfe an. Rickli, die in Winterthur wohnt – Steuerfuss: 125 Prozent – fühlt sich, als käme sie direkt «von der Steuerhölle in den Steuerhimmel» – Brütten: Steuerfuss 85 Prozent. Dass ihr Herz aber trotzdem für Winterthur schlägt, zeigte ihr Spruch: «Das Dorffest Brütten ist klar das zweitschönste Fest – nach dem Albanifest in Winterthur.» Für Brütten hatte sie zudem einen Verbesserungsvorschlag: die Brüttener Feuerwehr möge doch auch «einen solchen sexy Kalender mit Feuerwehrmännern» machen wie die Bassersdorfer Feuerwehr.
Brütten als Mustergemeinde
Rickli pickte in ihrer Rede ein paar Punkte aus der Geschichte Brüttens heraus, wie etwa, dass Brütten es nur dank erlegten Füchsen und Hasen einmal in die NZZ geschafft hatte oder dass die früheren Brüttener Gemeindepräsidenten reihenweise Baltensperger hiessen. Heute sei Brütten eine Mustergemeinde mit Muster-Steuerzahlern und einem Muster-Gemeindepräsident. «Und welche Gemeinde kommt schon auf die Idee, ausgerechnet einen kantonalen Steuerkommissär zum Gemeindepräsidenten zu wählen?» Abschliessend versprach sie, zur 1200-Jahre-Feier wieder zu kommen. Das Angebot von Gemeindepräsident Fritz Stähli, sie dürfe gern nach Brütten ziehen und er würde ihr eigenhändig beim Zügeln helfen, nahm sie vorläufig noch nicht an.
Brütten direkt an der A1
Schulpflegepräsident Martin Kuhn blickte in seiner Rede sogar zurück bis in die Zeit der Römer, als Brütten «quasi direkt an der A1 der Römer lag», nämlich auf der Strecke zwischen Winterthur und Windisch. Er verwies auch auf die Plattform bruetten1150.ch, die im Zuge des Jubiläums erarbeitet wurde, die aber hoffentlich lange darüber hinaus bestehe. Die Plattform ist eine Schatztruhe für historische Dokumente und Geschichten aus der Vergangenheit.
2000 Jahre Brütten
Als letzte Rednerin und obwohl die Chapfhalle mittlerweile zu einer kollektiven Schwitzbude mutiert war, schaffte es die Historikerin Annina Sandmeier, die Gäste mit ihren Geschichten aus der Geschichte zu fesseln. So erfuhr man unter anderem, dass in Brütten bis vor einem Jahrhundert noch Wein angebaut wurde, dass schon in den 1950er Jahren Windräder in der Gemeinde standen und warum beim Neubau der Kirche die Gräber umgelegt werden mussten. Vieles davon kann auf dem neuen Dorfrundgang erfahren werden. Sandmeier schloss mit dem Hinweis, dass Brütten zur Römerzeit bereits eine wichtige Raststation war: «Insofern könnte man heute auch 2000 Jahre Brütten feiern.»
Doch egal ob 2000 oder 1150 Jahre Brütten – Hauptsache, in Brütten wird gefeiert. Fritz Stähli schloss den stimmigen Festakt denn auch mit den Worten: «Genug geredet, jetzt wird gefeiert.» Das Publikum, in dem sich auch diverse regionale Gemeindepräsidenten, Gemeinderätinnen und Gemeinderäte befanden, sowie Stadtpräsidenten und kirchliche Würdenträger, strömte denn auch rasch ins Freie aufs Festareal und genoss bei den mittlerweile angenehmen Temperaturen die diversen Angebote des Brüttener Jubiläumsfestes.




