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Region

Wir werden immer älter – und jetzt?

Die drei Gemeinden Bassersdorf, Nürensdorf und Brütten liegen nur wenige Kilometer auseinander – doch hinsichtlich Bevölkerungsstruktur trennen sie zum Teil Welten. Während Bassersdorf als dynamische Wachstumsregion gilt, entwickeln sich Nürensdorf und Brütten Richtung Rentnerhochburgen. Das bringt Herausforderungen mit sich – für alle drei Gemeinden.

Die drei dorfblitz-Gemeinden verzeichnen einen hohen Anteil an Seniorinnen und Senioren, besonders Nürensdorf und Brütten (auf dem Foto: Mitglieder der Wandergruppe des Senioren-Netzes Brütten). (zvg)

Wer von Bassersdorf hinauf nach Nürensdorf und weiter nach Brütten fährt, spürt sofort den Szenenwechsel. Während in der pulsierenden Agglomerationsgemeinde des Glattals Kräne in den Himmel ragen und derzeit wegen des Brüttenertunnels der halbe Ort umgekrempelt wird, herrscht weiter oben idyllische Ruhe, unterbrochen nur von Traktorengeräusch oder dem gelegentlichen Dröhnen der startenden Flugzeuge. In Bassersdorf prägen Mehrfamilienhäuser, Läden und enge Durchfahrten das Strassenbild. In Nürensdorf und Brütten sind es weite Felder, Einfamilienhäuser und ein Panoramablick über die Region.

Grosse Unterschiede

Doch der Kontrast zwischen den Nachbargemeinden ist nicht nur optischer Natur. Sie unterscheiden sich bezüglich Finanzkraft, Steuerfuss und Bevölkerungsstruktur. Bei Steuerfuss und Finanzkraft hat Brütten jeweils die Nase vorn: Mit einem Steuerfuss von 85 Prozent (beantragt wird eine weitere Senkung auf 81 Prozent) gilt Brütten als absolutes Steuerparadies in der Region Winterthur. Auch Nürensdorf gehört mit einem Steuerfuss von 90 Prozent noch zu den diesbezüglich attraktiven Gemeinden (kantonaler Schnitt: 105 Prozent). Anders sieht es in Bassersdorf aus: Hier beträgt der Steuerfuss 114 Prozent.

Junges Bassersdorf

Spannend ist nun die Frage, wie sich dies in ein paar Jahrzehnten präsentieren wird. Denn die Bevölkerungsstruktur einer Gemeinde stellt die Weichen für die Zukunft. Hier steht für einmal das «arme» Bassersdorf besser da. Denn die Glattalgemeinde ist die einzige der drei Gemeinden, die gemäss Zahlen des Bundesamtes für Statistik (BFS) nicht als überaltert gilt, sondern als junge, dynamische Gemeinde. Mit einem Durchschnittsalter von 42,1 Jahren liegt es in der Statistikrangliste knapp unter dem kantonalen Schnitt von 42,7 Jahren. Unter den drei dorfblitz-Gemeinden ist Bassersdorf also tatsächlich ein Jungspund.

Überalterte Gemeinden

Deutlich älter sind Nürensdorf mit 45,1 Jahren und Brütten mit 45,3 Jahren – was Brütten zu einer der ältesten Gemeinden in der Region macht. Beide Gemeinden haben einen hohen Anteil an Senioren: In Nürensdorf gehört knapp ein Viertel aller Einwohner zur Generation 65+, in Brütten ein Fünftel – Tendenz steigend. Dass der ältere Bevölkerungsanteil in diesen beiden Gemeinden sehr hoch ist, zeigt sich etwa auch in den monatlichen Publikationen im dorfblitz: dort stehen diversen Todesfällen in der Regel keine bis nur wenige Geburten gegenüber. Beispiel Nürensdorf: Im Jahr 2024 starben 50 Menschen; geboren wurden 44. Zum Vergleich: Bassersdorf verzeichnet 59 Todesfälle und 124 Geburten.

Die Zahlen variieren von Jahr zu Jahr zwar stark; sie zeigen aber eine Tendenz. Nur durch Zuzug schrumpfen Nürensdorf und Brütten mittelfristig nicht. Statt der einstigen Bevölkerungspyramide hat die Bevölkerungsstruktur in Bassersdorf nun die Form einer Säule angenommen, in Brütten und Nürensdorf sogar jene einer Zwiebel oder Urne: schmale Basis, breiter Mittelteil und eine ausladende Spitze.

Generationenmix fördern

Für die Gemeinden bedeuten diese Strukturen eine Herausforderung. Wenn zum Beispiel immer mehr Erwerbstätige zu Rentnern werden, sinken die Steuereinnahmen. Gleichzeitig steigen die Kosten für Spitex und Pflegeheime. Langfristig könnte so auch ein wohlhabender Ort in eine finanzielle Schieflage geraten. Doch Fritz Stähli, Gemeindepräsident von Brütten, relativiert: «Da viele Seniorinnen und Senioren über Renteneinkommen und Vermögen verfügen, bleiben sie steuerrelevant.» Dennoch sei ein guter Generationenmix im Dorf wichtig: Um diesen zu fördern, baut der Gemeinderat auf die geplanten Genossenschaftswohnungen, die für Familien und ältere Menschen vorgesehen sind. Zusätzlich würden damit Einfamilienhäuser frei für Familien, wenn ältere Menschen diese aufgeben. So würde gewährleistet, dass Brütten kein ausschliessliches Rentner-Eldorado wird, sondern ein lebendiges Dorf mit Schulen und Kindertagesstätten bleibt.

Zuhause betreuen

Auch die beiden anderen Gemeinden waren nicht untätig. Hannes Schärer, Gemeindepräsident von Nürensdorf, verweist auf das Gesamtkonzept «Wohnen im Alter», das der Gemeinderat bereits vor zwanzig Jahren angestossen hat. «Dass die Menschen immer älter werden, ist grundsätzlich positiv», betont Schärer. Um die Ausgaben zu dämpfen, setze die Gemeinde da an, wo es am ehesten möglich sei: «Wir können beeinflussen, wie lange jemand selbstbestimmt zu Hause wohnen bleiben kann.» Mit altersgerechten Wohnungen im Zentrum Bären und diversen unterstützenden Organisationen wie «Gemeinsam bis ins Hohe Alter» oder dem Nüeri-Netz fördert die Gemeinde, dass ältere Menschen autonom wohnen können. «Jeder Heimeintritt, der später erfolgt, ist für die betroffene Person und für die Gemeinde die bessere Lösung», sagt er.

Dennoch macht Schärer kein Geheimnis daraus, dass die Kosten für die Pflegefinanzierung «rasant gestiegen» seien. Nürensdorf wendete im Jahr 2025 rund 4,2 Millionen Franken dafür auf – Tendenz steigend. Die wachsende Anzahl Pflegebedürftiger bleibe eine der grössten finanziellen Herausforderungen.

Doppelte Aufgabe
Vor einer doppelten demografischen Herausforderung steht Jungspund Bassersdorf. Denn trotz tiefem Durchschnittsalter steigt die Zahl der über 85-Jährigen und damit tendenziell Pflegebedürftigen in den nächsten 15 Jahren stark an. Gleichzeitig muss die kinderreiche Gemeinde in Schulen, Turnhallen und Tagesstrukturen investieren. «Die grösste Herausforderung ist die Finanzierung. Diese parallelen Investitionen binden hohe zweistellige Millionenbeträge» sagt Gemeindepräsident Christian Pfaller.

Um den Steuerfuss trotzdem möglichst nicht anheben zu müssen, setzt die Gemeinde auf frühzeitige Planung – damit teure Provisorien vermieden werden – und eine langfristige Finanzstrategie, bei der beispielsweise Bauvorhaben strikt gestaffelt werden. Im Altersbereich fokussiert die Gemeinde ebenfalls auf die Strategie «ambulant vor stationär», um das Kostenwachstum zu reduzieren. «Bassersdorf soll auch künftig ein attraktiver und bezahlbarer Wohnort für alle Generationen bleiben», betont Pfaller.

Fazit: Den Gemeinden ist die Problematik, die in der aktuellen Altersstruktur schlummert, durchaus bewusst. Auch wenn sie ihre Hausaufgaben bestmöglich gemacht haben: dass aus der klassischen Bevölkerungspyramide eine Zwiebel oder ein Pilz geworden ist, konfrontiert alle mit neuen Realitäten – die älter werdenden Dörfer ebenso wie den lokalen Jungspund.

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