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Sport

Vom Verletzten zum Eisenmann in Hawaii

Sechs Monate vor dem Start lag Stefan Vogler auf dem Operationstisch: Die Schulter war gebrochen und ausgekugelt. Für viele wäre damit der Traum von der Ironman-Weltmeisterschaft auf Hawaii ausgeträumt gewesen. Doch der 46-jährige Bassersdorfer liess sich nicht aufhalten – und stand am Renntag trotzdem an der Startlinie.

Ziel erreicht und von Emotionen übermannt: Stefan Vogler hat es geschafft. (zvg)
Durchbeissen heisst es für alle Sportler, die am Ironman teilnehmen. (zvg)
Ein kleiner Schriftzug inmitten der vielen Teilnehmenden des Ironman-Wettkampfs: Stefan Vogler zeigt stolz auf seinen Namen. (zvg)

Begonnen hatte alles im Sommer 2025 am Ironman in Thun. Dort gelang Stefan Vogler ein starkes Rennen, das ihm den Schweizermeistertitel in seiner Alterskategorie einbrachte. In der Gesamtrangliste belegte er Rang 27 von rund 2350 Teilnehmenden, sodass er einen von 40 zu vergebenden Startplätzen für die Weltmeisterschaft auf Hawaii ergattern konnte. Allein reisen wollte er nicht, für ihn kam nur eine Kombination mit Familienferien in Frage. «Glücklicherweise stimmte meine Familie zu, und dank der längeren Vorlaufzeit konnte ich mein Vorhaben auch bei der Arbeit regeln», erzählt Vogler.

Herber Rückschlag

Inmitten seiner Vorbereitung erlitt der Bassersdorfer Feuerwehrkommandant plötzlich einen Rückschlag: Der 46-jährige Sportler stürzte beim Curlingspielen auf die Seite und zog sich eine schwere Schulterverletzung zu. Dies hatte zur Folge, dass er sich exakt sechs Monate vor dem Start einer Operation unterziehen musste. «Trotz dieses Rückschlags war für mich ganz klar, dass ich auf Hawaii starten möchte. Deshalb machte ich viel Physiotherapie und achtete auf einen gesunden Lebensstil», erzählt Vogler.

Der Einsatz von Vogler machte sich bezahlt, und die Rehabilitation schritt rasch voran: Bereits Anfang Juni nahm er am Halb-Ironman in Rapperswil teil. Um die verletzte Schulter zu schonen, schwamm er die 1,9 Kilometer ausschliesslich mit dem linken Arm. Anfang Juli folgte der Wettkampf in Thun. Wegen des starken Winds schwamm er die 3,8 Kilometer in Brustlage und verlor dabei viel Zeit. Doch Vogler liess sich nicht entmutigen und arbeitete sich Stück für Stück voran.

Der grosse Tag

Neun Tage vor dem Rennen reiste die Familie nach Hawaii. «Wir waren überrascht, was für ein riesiger Anlass das ist», erzählt er. Die vielen durchtrainierten Sportlerinnen und Sportler beeindruckten Vogler zunächst. «Ich habe fast Komplexe bekommen. Das macht schon Eindruck», erzählt Vogler.

«Die Finishline in Kona zu erreichen, war eine surreale Vorstellung. In diesem besonderen Moment waren meine Gedanken von tiefster Dankbarkeit und einer überwältigenden inneren Ruhe geprägt.»

Stefan Vogler

Am Renntag warteten bereits im Wasser die ersten Herausforderungen. Der starke Seegang machte vielen Teilnehmenden zu schaffen, selbst Profis wurden dabei seekrank. Auch Vogler schluckte mehrmals Salzwasser. Das sollte sich später bemerkbar machen: Auf dem Velo rebellierte sein Magen, weshalb er deutlich weniger Nahrung aufnehmen konnte als geplant. Eigentlich wollte er pro Stunde rund 120 Gramm Kohlenhydrate und einen Liter Flüssigkeit zu sich nehmen. Doch neben den Magenproblemen erschwerten auch Regen und Seitenwind die 180 Kilometer lange Velostrecke.

Überwältigende Gefühle

Auf dem anschliessenden Marathon kam die Hitze hinzu – die Magenprobleme blieben. «Bei Kilometer 24 rechnete ich nach und stellte fest, dass eine Zielzeit von unter zehn Stunden noch möglich war. Der Gedanke daran gab mir nochmals Kraft für die letzten Kilometer.» Als Vogler die Ziellinie überquerte, nahmen die Emotionen ihren Lauf: «Die Finishline in Kona zu erreichen, war eine surreale Vorstellung. In diesem besonderen Moment waren meine Gedanken von tiefster Dankbarkeit und einer überwältigenden inneren Ruhe geprägt.»

Lebensstil verändern

Ein Zeitziel hatte sich Vogler für Hawaii nie gesetzt. «Ich habe mich angemeldet, weil ich gesünder leben wollte», erklärt er. Mehr schlafen, ausgewogener essen: Wer das ein Jahr lang konsequent durchziehe, entwickle neue Gewohnheiten. Zeit und Rang seien für ihn deshalb zweitrangig. Nach einem Jahr voller Verletzung und Reha sei er vor allem dankbar, überhaupt an der Startlinie gestanden zu haben. «Ob im Sport oder in der Feuerwehr: Der Erfolg unter extremen Bedingungen basiert auf unzähligen Trainingsstunden, konsequenter Vorbereitung und Handgriffen, die so oft geübt wurden, bis sie auch in entscheidenden Momenten zuverlässig sitzen», fasst Vogler sein Abenteuer zusammen.

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