Julia Brühlmann hat für sich den Zehnkampf entdeckt
Zehnkampf wird traditionellerweise ausschliesslich von Männern betrieben. Nun macht sich die Bassersdorferin Julia Brühlmann auf, dies zu ändern.
Julia Brühlmann turnt, seit sie denken kann. Mit drei Jahren begann sie im Turnverein Bassersdorf im Muki-Turnen, darauf folgten Kinderturnen, Mädchenriege, Geräteturnen und Aktivriege. Dort setzte sie schon früh auf Leichtathletik. «Ich bewege mich sehr gern und brauche das für mein Wohlbefinden, körperlich und geistig», sagt die 21-Jährige. Ausserdem reize sie der Wettkampf. «Ich bin ziemlich ehrgeizig», stellt sie fest.
Seit Sommer 2018 trainiert sie in der Leichtathletik-Leistungsgruppe des TV Dietlikon. Der dortige Trainer, Andreas Krebs, war sofort bereit, sie zu fördern und ihr die verschiedenen Disziplinen näher zu bringen. Das Resultat: Bereits im ersten Jahr qualifiziert Brühlmann sich für die Schweizer Meisterschaften im Kugelstossen.
Vielseitige Interessen
Doch sie will sich nicht auf eine Disziplin spezialisieren. «Ich bin generell ein vielseitiger Mensch», erklärt sie. «Und im Sport begeistern mich so viele Disziplinen, dass es sich fast ergeben hat, Zehnkampf zu trainieren.» Der Zehnkampf gilt als die Königsdisziplin der Leichtathletik, denn die Athleten müssen sich in zehn verschiedenen Disziplinen bewähren. «Mir gefällt es, dass im Zehnkampf der Körper ganzheitlich trainiert wird», sagt Brühlmann.
Auf Anhieb gewonnen
Einen Haken hat der Zehnkampf allerdings: Er wird traditionell nur von Männern betrieben. Frauen messen sich stattdessen im Siebenkampf. Doch dieser ist Brühlmann nicht genug; insbesondere auch darum, weil das Diskuswerfen fehlt; eine Disziplin, die sie in den vergangenen Jahren kennengelernt und vorangetrieben hat. Als sie im September am Uster Mehrkampf Meeting zum ersten Mal an einem Zehnkampf für Frauen teilnimmt, gewinnt sie diesen auf Anhieb, und zwar deutlich: Sie gewinnt in jeder Teil-Disziplin und erzielt in fast jeder eine neue persönliche Bestleistung. «Dieser Sieg hat mich schon sehr beflügelt», meint sie lachend.
Im Sommer wird die Bassersdorferin die Pädagogische Hochschule abschliessen, und berufsbegleitend ein Masterstudium anhängen. Für den Sport trainiert sie zwei bis drei Mal pro Woche in Dietlikon, rund zwei Trainings absolviert sie in Wallisellen, Winterthur oder Zürich, dazu kommt ein Krafttraining und die Einsätze als Leiterin des TV Bassersdorf. Zudem hat sie dieses Jahr das Hammerwerfen entdeckt und sich darin auch gleich für die Schweizer Meisterschaften qualifiziert und den neunten Platz belegt. Auch im Speer und Diskus konnte sie auf nationaler Ebene miteifern (10. und 15. Platz). Neben diesem Mammutprogramm findet sie immer noch Zeit für das Klavierspiel und Stunden mit Familie und Freunden.
Für die Zukunft träumt sie von der Teilnahme an einem internationalen Wettbewerb oder an einem grossen Meeting wie dem Weltklasse Zürich. Realistisch? «Träumen darf man ja», meint sie schmunzelnd. Gemessen an dem, was Brühlmann innert Kürze in verschiedenen Disziplinen erreicht hat, ist es nicht auszuschliessen, dass man von ihr auf nationalem oder gar internationalem Parkett etwas hören wird; vor allem wenn der Frauen-Zehnkampf dereinst eingeführt werden sollte. «Für mich ist aber auch jede Teilnahme an den Schweizer Meisterschaften schon ein Erfolg», betont sie. «Denn das ist immer das Resultat von hartem Training.»



