Bassersdorf

Bassersdorfer entscheiden an der Urne über Liftanlagen am Bahnhof

Am kommenden Sonntag, 14. Juni, entscheiden die Bassersdorferinnen und Bassersdorfer neben den zahlreichen eidgenössischen und kantonalen Vorlagen auch über einen Kredit von 2.2 Millionen Franken für den Einbau von Liftanlagen am neu entstehenden Bahnhof Bassersdorf.

Personen mit einem Rollator, Kinderwagen oder einem schweren Koffer müssen heute am Bahnhof Bassersdorf diese Rampe benützen. Der neue Bahnhof soll dann auch über Liftanlagen verfügen. Dafür ist jedoch ein Ja an der Urne nötig.

Die Stimmberechtigten hatten sich bereits in der Vorberatung im März klar für eine Realisierung ausgesprochen. Gemeinderat und RGPK lehnen die Vorlage dagegen aus finanzpolitischen Überlegungen ab.

Der Bahnhof Bassersdorf wird im Rahmen des SBB-Grossprojekts «MehrSpur Zürich–Winterthur» zwischen 2026 und 2034 vollständig neu gebaut. Die Perrons werden dabei gemäss den gesetzlichen Vorgaben hindernisfrei erschlossen. Vorgesehen sind Rampen, die den Zugang für mobilitätseingeschränkte Personen ermöglichen. Zusätzliche Liftanlagen sind jedoch seitens den SBB nicht vorgesehen, obwohl der Gemeinderat dies in der Vernehmlassung bei den SBB eingefordert hatte.

Vorstudie bestätigte Machbarkeit

Diesen Entscheid seitens SBB wollte die IG Basi und weitere Parteien, namentlich die EVP und die GLP nicht einfach so hinnehmen. Sie lancierten daraufhin eine Initiative, welche sie 2024 der Gemeinde einreichten. Darin forderten sie, dass die SBB beim Neubau des Bahnhofs Liftanlagen zu den Gleisen 1 und 4 dennoch plant und realisiert, jedoch finanziert durch die Gemeinde. An der Gemeindeversammlung vom Juni 2025 bewilligten Stimmberechtigten dafür einen Planungskredit von 140 000 Franken für die Ausarbeitung einer Vorstudie. Diese Vorstudie bestätigte die technische Machbarkeit des Projekts.

Realisierung könnte teurer werden

Nun geht es an der Urne um die Genehmigung eines entsprechenden Ausführungskredites. Die vorgesehenen Liftanlagen würden sowohl auf der Nord- als auch auf der Südseite des Bahnhofs direkten Zugang zu den Perrons ermöglichen. Die Kosten werden aktuell auf rund 2.2 Millionen Franken geschätzt. Aufgrund des frühen Projektstands weisen die Berechnungen allerdings noch eine Kostengenauigkeit von plus/minus 30 Prozent auf. Im ungünstigsten Fall könnten die Kosten somit deutlich höher ausfallen.

Angesichts der angespannten Finanzlage und weiterer geplanter Investitionen empfiehlt der Gemeinderat die Ablehnung des Kredits. Neben den Investitionskosten verweist er auf jährliche Folgekosten von rund 121 000 Franken für Betrieb, Unterhalt, Abschreibungen und Zinsen. Zudem sei das Projekt weder in der mittelfristigen Finanzplanung noch in den priorisierten Infrastrukturvorhaben der Gemeinde vorgesehen, heisst es im Weisungsbüchlein.

Auch die RGPK empfiehlt die Nein-Parole. Nach ihrer Analyse komme sie zum Schluss, dass der Einbau von Liftanlagen finanziell und sachlich nicht angemessen sei. «Die angespannte Finanzlage der Gemeinde sollte nicht mit Ausgaben für Lösungen belastet werden, welche über einen Standard hinausgehen, der gesamtschweizerisch üblich ist», schreibt die RGPK.

Lifte sind ein Bedürfnis

Die Initianten dagegen streichen vor allem die Vorteile eines Lifts für das barrierefreie Reisen heraus. Sie betonen, dass die geplanten Rampen mit einer Steigung von knapp 12 Prozent für viele Reisende eine Herausforderung darstellen würden. Besonders Personen mit Rollatoren, Rollstühlen, Gehhilfen, Kinderwagen oder schwerem Gepäck seien auf Liftanlagen angewiesen oder würden zumindest stark davon profitieren. Zudem sei ein nachträglicher Einbau wesentlich teurer als eine Realisierung im Rahmen des laufenden Bahnhofsumbaus.

Trotz der finanziellen Unsicherheit sprachen sich die Stimmberechtigten an der Gemeindeversammlung im März 2026 im Rahmen der Konsultativabstimmung mit 77 Ja zu 32 Nein klar für eine Annahme an der Urne vom kommenden Sonntag aus.

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