Brüttemer entdecken Kyburg gemeinsam bei Jubiläumsführung
Im Rahmen der Feierlichkeiten zu «1150 Jahre Brütten» lud der Gemeinderat Brütten am Samstag, 30. Mai, zur Kyburg ein. Dies, um die enge historische Verbindung zwischen der Gemeinde und der Burg zu würdigen. Und: Mit einem Mythos aufzuräumen.
Bei prächtigstem Wetter fanden sich etwa neunzig Interessierte ein, die zugleich in zwei Gruppen aufgeteilt wurden für die Führung. Während der stündigen Rundgänge erfuhren die Brüttemer und Brüttemerinnen allerhand über die Kyburg. So auch Bruno Meier: «Die Führung war sehr informativ. Seit Jahrzehnten schauen viele von uns von Brütten aus auf die Kyburg. Jetzt haben wir sehr viel erfahren. Die Führung war hervorragend. Sie war sehr interessant.» Meier führt weiter aus, dass er heute erfahren habe, dass die «Eiserne Jungfrau» wohl nie als Folterinstrument eingesetzt worden war.
Jonah Abgottspon war eine der zwei versierten Führerinnen; sie meint: «Wir hatten etwas über zwanzig Personen pro Gruppe.» Angesprochen darauf, wie gespannt die Brüttemer und Brüttemerinnen ihren Worten gefolgt waren, sagt sie: «Die ersten fünf Minuten hatte ich sie nicht, aber danach hat man es ihren Augen angesehen: Sie waren interessiert, hatten Lust und haben aktiv zugehört. Es war super.»
Während der Sandwich-Pause ergriff der Gemeinderat das Wort. Als Erster sprach Fritz Stähli, Gemeindepräsident von Brütten. Mit vielem habe er gerechnet, was zu tun wäre als Gemeindepräsident, aber: «Nie hätte ich damit gerechnet, auf der Kyburg eine Rede zu halten.» Das Amt sei gut für Überraschungen, schmunzelte er. Weiter betonte er, dass Brütten eng mit der Kyburg verbunden sei. Eine Tatsache, welche der dritte Redner, Martin Kuhn, Schulpflegepräsident und Gemeinderat, tiefer beleuchtete.
«Seit Napoleon haben nur noch Zürcher über Brütten geherrscht.»
Geschichtlicher Rückblick
Susanne Sorg, Präsidentin des Vereins Museum Schloss Kyburg, klärte über die geschichtliche Bedeutung von Burgen während des Mittelalters auf, und über Legenden, die sich hartnäckig gehalten haben: «Es gibt Legenden von verborgenen Fluchttunneln, durch die niemand je in die Freiheit geflohen ist. Oder Folterinstrumente, die nie zum Einsatz kamen – wie unsere «Eiserne Jungfrau».
Kuhn erwähnte, dass Brütten 151 Jahre vor der Kyburg erstmals auf einer Urkunde erwähnt worden war. «Zumindest auf einer, die bis heute erhalten ist», wie er ergänzte. Nächstes Jahr feiert auch Kyburg ein Jubiläum. Kuhn erklärt: «Im Jahr 2027 feiert die Kyburg ihre tausendjährige Ersterwähnung.» Er zeigte auch auf, wer alles schon über Brütten geherrscht hatte: St. Galler, Habsburger, Einsiedler, Schwyzer und Deutsche. Als er auch Thurgauer erwähnt, geht ein leises Gelächter durchs Publikum. Und beruhigt gleich die Gemüter: «Seit Napoleon haben jedoch nur noch Zürcher über Brütten geherrscht», fügt er an.
Es gibt an diesem Tag nur positive Voten unter den Anwesenden. So meint Erika, eine Brüttemerin seit vielen Jahren: «Ich fand es einen ganz tollen Anlass. Es war wunderbar; es war ein fröhlicher Tag – was will man mehr.»

