Immer mehr Frauen möchten Fussball spielen
Die Europameisterschaft der Frauen in der Schweiz ging Ende Juli zu Ende und hat viel Aufmerksamkeit erreicht. Rund einen Monat nach dem Turnier stellt sich die Frage, ob die Wellen der EM bereits beim lokalen Fussballverein FC Bassersdorf zu spüren sind.
Loredana Walser, Funktionärin beim Frauenteam des FC Bassersdorf, schwärmt: «Die Frauen-EM war ein grosser Erfolg. Es gab viele Zuschauer und grossartige Spiele», und ergänzt: «Für den grossen Hype verantwortlich waren die Schweizer Spielerinnen, welche mutig, energisch und mit voller Motivation auf dem Rasen spielten.» Tatsächlich erreichte das Turnier Stadionrekorde sowie hohe mediale Aufmerksamkeit. Schlussendlich waren es die Engländerinnen, welche in Basel in einem nervenauftreibenden Spiel gegen die Spanierinnen den Europameistertitel sichern konnten. «Was meiner Meinung nach ebenfalls geholfen hat, waren die moderaten Preise. Ich konnte diverse Spiele mit meiner Familie besuchen, ohne hohe Ticketpreise bezahlen zu müssen», erklärt Loredana Walser. Auch in Sachen Sicherheit fühlte sich die stellvertretende Teamchefin stets gut aufgehoben: «Ich musste in den Stadien nie Angst um mein Kind haben, da die Stimmung stets respektvoll und wenig aggressiv wirkte.»
Kapazitätsprobleme
Danach gefragt, ob die Frauenabteilung des FC Bassersdorf bereits wenige Wochen nach Turnierende einen Effekt spürt, entgegnet Walser: «Unmittelbar verspüren wir noch keinen Effekt. Doch generell zeigt der Trend im Frauenfussball, auch schon vor der Europameisterschaft, nach oben.» Einen Effekt habe sie jedoch bei den Juniorinnen und Frauen verspürt, die bereits aktiv im Fussball sind: «Man hat viel über die EM gesprochen und auch zusammen Spiele angeschaut. Ich bin sicher, dass die EM eine grosse Motivation für viele Spielerinnen war», sagt die 32-jährige Funktionärin.
Generell sieht Loredana Walser die Problematik vielmehr bei den Anzahl Plätzen und Trainern als beim Interesse am Frauenfussball: «Teilweise trainieren bereits heute mehrere Juniorinnenteams auf einem Feld. Wenn das Interesse weiterhin anhält, sind wir auf mehr Plätze angewiesen. Und bei mehr Teams braucht es dann auch mehr Trainer und Trainerinnen.»
Positive Entwicklung
Benjamin Benz, Geschäftsführer beim Fussballverband Region Zürich, schätzt die Entwicklung ähnlich wie Loredana Walser ein: «Eine abschliessende Beurteilung ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht ganz einfach, da sich der Effekt vermutlich erst nach den Sommerferien beziehungsweise eventuell im Winter zeigen wird – nämlich dann, wenn die Vereine neue Mannschaften anmelden.» Eine verlässlichere Einschätzung erwartet der Geschäftsführer in rund zehn Monaten.
Der Fussballverband Region Zürich ist der Dachverband von über 170 Vereinen, die total über 2800 Mannschaften im Raum Zürich vereinen. Wenn der Blick in die Zukunft schon etwas vage ist, gewährt Geschäftsführer Benz einen Einblick in die Entwicklungen in der Vergangenheit: Im Oktober 2023 gab es 245 Juniorinnen-Teams, die an einer Meisterschaft des Fussballverbandes Region Zürich teilgenommen hatten. Ein Jahr später im Oktober 2024 waren es bereits 300 Juniorinnen-Teams. Im Juli 2025 wurde dann bereits die Marke von 350 Teams egalisiert. «Die Trendkurve zeigte beim Start der Europameisterschaft nach oben. Wir sind gespannt, wie sich dies weiterentwickeln wird», so Benz. Stand heute spielen 9865 aktive Frauen und Juniorinnen in der Region Zürich – viele davon tragen wohl den Traum einer Teilnahme an einer internationalen Meisterschaft in sich.


