Ausgesetztes Murmeltier wirft Fragen auf
Nachdem eine Birchwilerin Mitte Juni ein Murmeltier auf ihrer Terrasse entdeckte und dies im dorfblitz publik machte, wurde die Geschichte auch von anderen Zeitungen und in den Sozialen Medien aufgenommen.
Das Murmeltier mit unbekanntem Herkunftsort, welches eine Birchwilerin per Zufall auf ihrer Terrasse vorfand und welches mittlerweile durch den Tierrettungsdienst eingefangen wurde und nach Absprache mit den kantonalen Stellen im Eigental ein neues Zuhause fand, beschäftigt die Bevölkerung. Eine Besucherin des Eigentals, welche per Zufall und ohne Wissen um das Murmeli das Tier sah, traute ihren Augen nicht.
Auch andere Medien griffen die Geschichte auf und bald füllten sich die Kommentarspalten mit verschiedensten Fragen und aufgeregten Voten, das Tier hätte in die Alpenregion zurückgebracht werden sollen. Grosses Unverständnis herrschte wegen der Aussetzung ins Eigental, in ein Ökosystem, welches Murmeltiere nicht kennt.
Der dorfblitz hat nun beim Amt für Landschaft und Natur in der Baudirektion des Kantons Zürich nachgefragt, wie sich das artenfremde Nagetier im Eigental zurechtfinden kann. Reto Muggler, Co-Leiter Fischerei- und Jagdverwaltung im Amt für Landschaft und Natur, hat die Fragen beantwortet:
1. Warum setzt man das Murmeli in einem Ökosystem aus, in welchem es diese Art nicht gibt? Was ist die grösste Gefahr dahinter?
Wie dieses Tier in den Kanton Zürich kam, ist uns nicht bekannt. Die Fischerei und Jagdverwaltung (FJV) wurde darüber informiert, dass ein Murmeltier in Nürensdorf gesichtet wurde und ein Tierrettungsdienst avisiert sei, der sich bereits vor Ort befinde. Wir klärten flankierend ab, ob es eine geeignete Auffangstation gibt. Dabei stelle sich heraus, dass man Murmeltiere nicht in bestehende Gruppen einfügen kann. Diese würden, gemäss Fachleuten, durch bestehende Tiere der Gruppe bekämpft, verletzt und getötet. Auch die Möglichkeit es in einen Tierpark zu bringen, wurde geprüft und aus demselben Grund verworfen. Es konnte nicht eruiert werden, woher das Tier kam, um es möglicherweise wieder dorthin zu bringen. Wir hätten somit das Murmeltier töten müssen.
«Aus Sicht der FJV besteht für das Ökosystem des Eigentals keine Gefahr, wegen einer allfälligen Präsenz eines Murmeltiers.»
Im vorliegenden Fall stellte sich die Frage, ob das Murmeltier an Ort und Stelle erlegt wird oder ob man es ausserhalb des Siedlungsgebiets in die Freiheit entlässt. Da keine sichtbaren Verletzungen oder sonstige Auffälligkeiten vorlagen, wurde entschieden, dass der Tierrettungsdienst das Tier in einem nahen gelegenen, geeigneten Ort wieder in die Freiheit entlassen wird. Aus Sicht der FJV besteht für das Ökosystem des Eigentals keine Gefahr, wegen einer allfälligen Präsenz eines Murmeltiers.
2. Ist es rechtskonform, das Tier ausgerechnet in einem geschützten Gebiet wie dem Eigental freizulassen?
Das Tier wurde aus dem Siedlungsgebiet in das geeignetste Gebiet in der Nähe gebracht. Dass das Tier im Gebiet des Eigentals ausgesetzt wurde, erfuhren wir erst im Nachhinein, war aber rechtskonform. Murmeltiere sind einheimische Wildtiere und somit gibt es keine Rechtsgrundlage, weshalb es getötet werden müsste, wenn eines im Kanton Zürich auftaucht.
3. Gehen Sie davon aus, dass das Murmeli tatsächlich überlebt oder wegen neuer Feinde im Gebiet nicht lange im Unterland leben wird?
Ob das Murmeltier überleben wird können wir nicht sagen, die Chancen dazu sind aus unserer Sicht aber gut. Sie treffen hier – bis auf den Steinadler – auf die «bekannten» Feinde. Die Überlebenswahrscheinlichkeit eines einzelnen Murmeltiers hängt von verschiedenen Faktoren ab, einschliesslich der Verfügbarkeit von Ressourcen, dem Feinddruck und der individuellen Anpassungsfähigkeit.
4. Der Schweizer Nationalpark schreibt auf seiner Homepage, dass Murmeltiere bei der Nahrung bestimmte Pflanzen bevorzugen, beispielsweise Alpenklee, und dies für den Aufbau von Fettreserven für den Winter von grosser Bedeutung sei. Passt sich das Murmeli im Eigental nun automatisch an andere Gräser und Pflanzen an, mangels Alpenklee und sucht sich «neue» Nahrung?
Die Tiere ernähren sich ausschliesslich von pflanzlicher Nahrung wie Gräsern, Seggen und Kräutern, wobei sie junge, frische Pflanzenteile bevorzugen. Da es im Eigental keinen Alpenklee gibt wird es andere Pflanzen fressen.



