Altbach durch Starkregen stark gestiegen
Am vergangenen Freitag wüteten die heftigen Gewitter auch über der dorfblitz-Region. Zu spüren bekam das vor allem die Feuerwehr Bassersdorf, welche den Altbach zu zähmen versuchte.
Von 30 auf 9000: so sah die Situation am vergangenen Freitag aus. Anstelle der normalen 30 Liter pro Sekunde, die an der Messstelle nahe bei der Brückenquerung Sidewegli normalerweise gemessen werden, flossen plötzlich 9000 Liter Wasser pro Sekunde den Altbach hinunter. «Ab 8000 Litern pro Sekunde wird es bei den Brückenquerungen problematisch», sagt Stefan Vogler, Feuerwehrkommandant von Bassersdorf. Dies war innerhalb einer halben Stunde von Beginn des starken Regens an so, der auch in Zürich zu heftigen Böen und Regengüssen führte. Zeit also, um zu handeln.
«Ab 8000 Litern pro Sekunde wird es am Brüggli zum Kreisel problematisch»
Eines der gefährdetsten Hochwassergebiete
Dass Bassersdorf zu einer der vier gefährdetsten Hochwassergebiete im Kanton zählt, ist den wenigsten bekannt. Der Feuerwehr jedoch schon. Bereits 2007 bedrohte ein Hochwasser das Dorf, woraufhin die Feuerwehr ein erstes grösseres Sicherheitskonzept erarbeitete – hauptsächlich ein Gemeinschaftswerk bereits vom Vater Marcel und später durch Bruder Daniel Vogler überarbeitet. Der Kanton lieferte 2016 neue Berechnungen und ergänzte die Gefahrenflächen im Bassersdorfer Dorfgebiet. «Früher war in Birchwil und der Breite noch Moorgebiet und grössere Regenmassen wurden daher von der Natur besser absorbiert», erzählt Stefan Vogler. «Durch die Entwicklung hin zu landwirtschaftlichen Flächen sind wir in Basserdorf weit mehr gefordert, da diese Mengen Wasser nun den Altbach hinunterfliessen.»
Nadelöhr beim Kreisel
Das Nadelöhr befindet sich inmitten von Basserdorf, beim Kreisel Winterthurerstrasse und der Lisboa Bar. Der Altbach wird auf Höhe des Rütli Pub respektive Häuptli Coiffeurgeschäftes in einen Tunnel unter den Kreisel geführt. Dieser ist weniger hoch als die Brücken vorher und eine Verengung in der Bachbettverbauung soll den Wasserdurchfluss erhöhen. Bei zu viel Wasser oder durch mitgeführtes Geröll und Äste kann der Durchgang zusätzlich verstopft werden und sich das Wasser anstauen. «Der Tunnel kann vielleicht ausreichend Wasser abführen, wir müssen jedoch erreichen, dass alles Wasser vor der Einmündung wieder zurück ins Bachbett gebracht werden kann», erklärt Stefan Vogler. «Durch die zu niedrigen Uferränder und den tiefen Brücken gelangt das Wasser auf die Winterthurerstrasse und auf die Flächen bei Optik B.»
Kurz vor 19 Uhr ist zu viel dann zu viel und die beiden Offiziere im Feuerwehrdepot entscheiden, die roten Hochwasserelemente aufzubauen. Der Alarm geht raus und die Feuerwehrmannen kommen teilweise bereits völlig durchnässt durch den Regen im Depot an zur Umkleide. Beim Aufbau der Elemente sperren die Feuerwehrverantwortlichen die Winterthurerstrasse für den Verkehr und legen los. Die vor drei Jahren angeschafften Elemente verhindern, dass bei einem übertretenden Altbach das Wasser ungehindert weiter in die anliegenden Liegenschaften oder Quartiere fliessen kann und dort Schäden anrichtet.
«Ich priorisiere und schicke die Gefährte jeweils dorthin, wo eine Meldung einging, um sich ein Bild zu machen von der Situation»
Überblick behalten
Derweil sitzt Einsatzleiter Stefan Vogler im Feuerwehrdepot und versucht sich ein Bild von der Situation zu machen – zwölf Meldungen treffen in kurzer Zeit ein. Während zwei Offiziere beim Kreisel mit den Wassermassen des Altbach kämpfen, sind drei weitere Feuerwehrfahrzeuge mit Mannschaft ausserhalb postiert und warten auf Anweisungen des Kommandanten. «Es bringt Ruhe ins System, wenn wir uns so aufstellen. Ich priorisiere und schicke die Gefährte jeweils dorthin, wo eine Meldung einging, um sich ein Bild zu machen von der Situation. Dann können wir weiter entscheiden», sagt Vogler.
Zivilschutz überwacht Situation
«Wir haben mit den Hochwasserelementen in den drei Jahren gute Erkenntnisse gewonnen und konnten auch noch weitere Elemente hinzukaufen, ebenso wie 7500 Sandsäcke. Die Gemeinde hat uns hier sehr gut unterstützt und wie wir sehen, können wir sie auch gut gebrauchen.» Die Situation von Freitag sei zu vergleichen mit dem Hochwasser-Ereignis von 2007. Daher wurden auch über Nacht Zivilschützer aufgeboten, welche die Situation bis am nächsten Morgen um zehn Uhr weiter bewachten und bei Gefahr die Feuerwehr erneut alarmiert hätten. Am Samstagmorgen brannte die Sonne vom Himmel und einige Feuerwehrleute bauten die roten Elemente wieder ab und verstauten sie im Depot.
Hilfe angeboten
Für den Kommandanten war es ein Blitzeinsatz am Freitag mit einigen Unsicherheiten, dennoch war er erfreut, wie viele Personen ihnen für die Arbeit gedankt hatten. «Ein Arbeiter der Emil Egger AG hat einen Baum weggeschoben, ein Arbeiter der SBB-Baustelle hat mit seinem Flächenreiniger die Strasse geputzt und andere Feuerwehrkommandanten boten Hilfe an. Zudem waren meine Mannen sofort bereit, sich am Samstag für einige Arbeiten zu melden: So sollte es funktionieren, wenn ein solches Ereignis uns alle überrascht!»
«Wir haben mit den Hochwasserelementen in den drei Jahren gute Erkenntnisse gewonnen»
Insta Feuerwehr Bassersdorf
Messpunkt Altbach Bassersdorf

