Stand in Brütten ein Motel für römische Reisende?
Die neuesten Georadar-Messungen der Kantonsarchäologie zeigen Erstaunliches: In der Steig in Brütten stand zu Römerzeiten vermutlich eine Art Motel für Reisende.
Der Untergrund hält immer wieder Überraschungen bereit: Bislang hiess es stets, in Brütten sei zu Römerzeiten eine Villa gestanden. Nun haben die neuesten Forschungen der Kantonsarchäologie gezeigt: Bei den römischen Überresten in der Steig handelte es sich vielmehr um eine Raststätte mit Herberge und Stallungen. «Und zwar um eine erstaunlich geräumige Raststätte. Das grösste Gebäude hatte mehr als tausend Quadratmeter Grundfläche», erklärt Cornel Dora, Historiker aus Brütten.
Die Interpretationen der neuen Funde sind noch nicht abgeschlossen. «Wir spekulieren ein bisschen, wenn wir von Stallungen sprechen», räumt Dora ein. Allerdings sei es sehr plausibel, dass oberhalb der Steig Gebäude für die Versorgung der Tiere standen. Belegt ist, dass die Steig Teil des römischen Wegnetzes war. Die antike Überlandstrasse, die das Legionslager in Windisch mit der römischen Siedlung in Oberwinterthur verband, verlief leicht nördlich der heutigen Zürcherstrasse. Interessanterweise stand das römische Motel somit nur wenige Meter vom heutigen Motel Steighof entfernt.
Mysteriöser Steinhaufen
Einige Geheimnisse sind noch nicht gelüftet. So ist unklar, was es mit der Steinsammlung südöstlich der Gebäudekomplexe auf sich hat. «Vielleicht sind es Gebäudereste», mutmasst Dora, «oder es war ein Steinlager, als die alemannischen Siedler zwei Jahrhunderte später die Gebäude als Steinbruch nutzten.» Es könnte aber auch eine Götterstatue oder ein Kultort gewesen sein, der zusammengebrochen ist.
Rätselhaft ist auch, wieso die gepflästerte Zufahrtstrasse in derart spitzem Winkel von der Überlandstrasse wegführte – was vor allem unpraktisch war, wenn man von Westen kam oder dorthin weiterwollte. «Vielleicht gab es einen heute nicht mehr sichtbaren Weg, der wieder zurück auf die Strasse führte», so Dora. «Oder es war gut, abseits der Strasse zu sein, wenn man nachts Ruhe haben wollte.» Möglicherweise war der Komplex auch durch eine Hecke, Baumreihe oder Gewässer abgetrennt. Unbekannt ist zudem, wie der Ort damals hiess – es gibt keine schriftlichen Quellen oder beschriftete Steine oder ähnliche Hinweise.
Möglich wurden die neuen Erkenntnisse dank Georadar-Messungen, welche die Kantonsarchäologie im vergangenen Jahr auf Anregung der Arbeitsgruppe «1150 Jahre Brütten» durchgeführt hatte. Weitere Forschungen sind derzeit nicht geplant.

