Tempo 30 auf Dietlikoner- und Bahnhofstrasse gefordert
Anwohner der Dietlikoner- und Bahnhofstrasse in Bassersdorf haben kürzlich beim Gemeinderat eine Petition eingereicht, welche die Einführung von Tempo 30 auf den vielbefahrenen Zubringerachsen zum Bahnhof fordert. Der Gemeinderat hat das Anliegen aufgenommen und lässt es in ein Verkehrsgutachten einfliessen, das derzeit im Zusammenhang mit dem Neubau des Bahnhofes in Arbeit ist.
Eingereicht haben die Petition die beiden Bassersdorfer Reto Huber und Roland Klöti. Sie beide wohnen direkt an der viel befahrenen Dietlikonerstrasse beziehungsweise an der Kreuzung zur Äusseren Auenstrasse. Unterzeichnet wurde diese von 111 weiteren Personen und Betroffenen. Nach ihren Aussagen erleben sie es fast täglich, dass Fahrzeuge mit übersetzter Geschwindigkeit die beiden schnurgeraden Strassen rauf- oder runterfahren und dabei sowohl Fussgänger als auch andere Verkehrsteilnehmer gefährden. Sie ärgern sich auch über jene Automobilisten, welche nachts mit ihren getunten Fahrzeugen auf Spritztour auf diesen Strassenabschnitten unterwegs sind. «Manchmal kommt es tagsüber zu heiklen Situationen, wenn gleich zwei Busse des ÖV auf der schmalen Strasse unterwegs sind und sich mit Personenwagen kreuzen müssen, während gleichzeitig Schulkinder die Strasse überqueren wollen», so Huber.
Einzige Gemeindestrasse mit Tempo 50
Diese Ringstrasse zum Bahnhof ist noch der einzige Strassenzug im Siedlungsgebiet, auf dem Tempo 50 gilt. Alle übrigen Gemeindestrassen wurden bereits 2013/2014 auf Tempo 30 abklassiert. Der Grund für den Verbleib wurde damals mit der Fahrplanstabilität der Busse der VBG begründet.
Das Anliegen der beiden Petitionäre ist nicht neu. Bereits 2023 stellte Reto Huber an der Juni-Gemeindeversammlung eine Anfrage gemäss § 17 des Gemeindegesetzes, was der Gemeinderat zu tun gedenke, «die beiden letzten verbleibenden Gemeindestrassen ausserhalb der flächendeckenden Tempo-30-Zone zu beruhigen».
Der Gemeinderat zeigte damals wenig Gehör, an der Situation etwas zu verändern, und verwies auf regelmässige Messungen der Kommunalpolizei, welche keine überdurchschnittliche Überschreitung der Geschwindigkeiten feststellen konnten. Im Messzeitraum von drei Jahren seien sechs leichtere Unfälle vermerkt worden, und es gelte somit nicht als Unfallschwerpunkt, hiess es damals in der Begründung.
Tempo 30 wird nun evaluiert
Im zweiten Anlauf scheint sich nun etwas zu tun. Offensichtlich haben die Initianten gerade einen geeigneten Zeitpunkt für ihr Anliegen erwischt. Sie wurden auch zu zwei Sitzungen eingeladen, um das Anliegen zu besprechen. «Diese Petition hat bei der Gemeinde offenbar etwas ausgelöst», meint Reto Huber erfreut.
Wie Patrik Baumgartner, Abteilungsleiter Bau + Werke, bestätigt, sei man von Seiten der Gemeinde daran, ein verkehrsplanerisches Gutachten für die beiden Kommunalstrassen und das Verkehrsregime am Bahnhof zu erstellen. Dies wegen des Neubaus des Bahnhofes im Rahmen des Projekts Mehrspur Zürich–Winterthur und den dafür benötigten Baustellenzufahrten. Das Thema Tempo 30 werde jetzt ebenfalls in das Gutachten einfliessen.
Nach Rechtskrafterreichung der Plangenehmigungsverfügung und der Wahl der Bauunternehmungen würden nun auch von Seiten der SBB die Detailpläne für die Baustellenzufahrten erstellt. Diese würden dann ebenfalls ins verkehrsplanerische Gutachten einfliessen, so Baumgartner. Die SBB würden sich deshalb auch an den Kosten des Gutachtens beteiligen, vermerkt der Gemeindevertreter.
Einbahnverkehr angedacht
Doch wie das Verkehrsregime während der gesamten Bauphase geführt wird, ist noch nicht bekannt. Geprüft werden beispielsweise auch Einbahnverkehre auf der ganzen Strecke oder auf Teilabschnitten. Dies müsse jedoch auch mit den Verkehrsbetrieben Glattal abgestimmt werden, so Baumgartner. Und dann eben jetzt auch Tempo 30. Mitbeurteilt würden auch die Auswirkungen auf die Strassenzüge Chrüzacherstrasse und Auenring. Was jetzt schon feststeht, ist, dass die Haltestellen der ÖV-Busse während des Bahnhofsumbaues der SBB auf die Strasse verlegt werden und die Reisenden dann über Korridore zu den Zügen geleitet werden, weiss der Abteilungsleiter Bau + Werke. Bis im kommenden Juni soll das Verkehrskonzept vorliegen.
Grünes Licht für Projekt Mehrspur Zürich-Winterthur
Wie einem Flyer der SBB an alle Haushalte von Bassersdorf zu entnehmen ist, haben die SBB grünes Licht für das Bauprojekt Mehrspur Zürich–Winterthur erhalten. Das Bewilligungsverfahren sei nun einen entscheidenden Schritt weiter, heisst es auch in der Medienmitteilung der SBB, denn das Bundesverwaltungsgericht habe die hängigen Beschwerdeverfahren gegen die Plangenehmigung für das Bauprojekt Mehrspur Zürich–Winterthur abgeschrieben. Dies bedeutet, dass das Grossprojekt nun in Angriff genommen werden kann.
Erste Vorarbeiten starten bald
Die SBB werden nun das definitive Bauprogramm festlegen und die Anwohnenden informieren, die von den Bauarbeiten betroffen sind, wie es weiter heisst. Die Bauzeit dauert insgesamt rund zehn Jahre. Die ersten Vorarbeiten zum Einrichten der Baustellen sollen in den kommenden Wochen starten. Es handelt sich um Arbeiten an Boden und Gehölz sowie an der Bahntechnik – so auch auf dem Areal des Bahnhofs Bassersdorf. Ein Vorbote ist der Abbruch der Jail-Train-Station (Haltestelle des Gefängniszuges), welcher dieser Tage in Angriff genommen wurde. Ausserdem ist das Avec-Provisorium kurz vor der Fertigstellung. Man rechnet mit einer Eröffnung Anfang März.

