Nürensdorf

Weichen für die Zukunft stellen

Mit einer Gesamtschau über die Schulhausanlagen und die Tagesstrukturen hat die Gemeinde Nürensdorf Erkenntnisse gewonnen weit über die reinen Schulbauten hinaus.

Schulpräsident Gerry Romanescu (v.l.), Gemeindepräsident Christoph Bösel und Hannes Schärer, Ressort Finanzen, sind treibende Kräfte im Investitionsprojekt der Schulbauten.

Bestehende Schulanlagen zu sanieren ist nirgends ein leichtes Unterfangen, wie man unzähligen Berichten aus verschiedensten Gemeinden im Kanton Zürich entnehmen kann. Eines zeichnet sich jedoch überall ab: es wird meistens teuer. Nicht allein die Bauteuerung und bauliche Anforderungen treiben die Kosten in die Höhe. Meistens sind es die Grundrisse der über 50 Jahre alten Gebäude, welche die heutigen Schulstrukturen und Bildungsanforderungen nicht mehr bedienen können. Hielten für Gruppenarbeiten bisweilen oft noch die Gänge des Schulhauses hin, können die von der Bildungsdirektion geforderten Tagesstrukturen in den bisherigen Räumen nicht mehr integriert werden. Ebenso fehlen Arbeitsbereiche und Vorbereitungsplätze für Lehrpersonen und Sitzungszimmer für vertrauliche Gespräche sind dringend erforderlich. Auch in der Schule müssen attraktive Arbeitsplätze geboten werden, um die Lehrpersonen bei der Stange zu halten.

Gewandelte Familienstruktur

In Nürensdorf sind die Schulhäuser aus den späten 50er Jahren (Ebnet), zehn Jahre später folgte das Sunnerain in Birchwil und 1976 das Oberstufen-Schulhaus Hatzenbühl. Die Gesellschaft und Familienstrukturen haben sich gewandelt und damit einhergehend die Anforderungen und Ansprüche der Eltern an eine öffentliche Schule. Zudem haben sich die gesetzlichen Grundlagen entwickelt; jedes Kind hat heute das Recht, den regulären Unterricht der öffentlichen Schule zu besuchen; Klein- und Sonderklassen wurden abgeschafft, es mussten Unterstützungs- und Therapieangebote geschaffen werden, und Tagesstrukturen mit Mittagstisch sind mittlerweile gesetzlich vorgeschrieben.

Diese Bedürfnisentwicklung ist in Nürensdorf ebenso spürbar. Gingen 2018 noch zwölf bis fünfzehn Kinder zum Mittagstisch, sind es 2024 mittlerweile 40 bis 100 Schülerinnen und Schüler. Die Schwankungen zwischen den einzelnen Tagen macht die Sache nicht einfacher.

«Wir haben Sofortmassnahmen definiert, da wir nicht mit allem bis in fünf Jahren warten können. Es braucht wie in allen Projekten eine Übergangszeit»

Katharina Lenggenhager

Vertiefte Analyse

Während der Coronazeit hat die Schulpflege mit Fachpersonen der Gemeinde und externen Experten erste Analysen der Schulgebäude vorgenommen und sie mit den Prognosen der Schülerentwicklung der nächsten Jahre abgeglichen. Dass Sanierungsbedarf beim Schulhaus Ebnet vorhanden ist, wussten die Verantwortlichen bereits vorher. Durch die Analyse wurde der Fächer geöffnet und alle Anlagen und Gebäude, die für die Musikschule, Mittagstischangebote oder Tagesstrukturen benutzt werden, in eine gesamtheitliche Betrachtung miteinbezogen. Im Fokus standen der Zustand der Bausubstanz, mittel- bis langfristige Bedürfnisse der Anspruchsgruppen sowie die finanziellen Konsequenzen.

Zeithorizont von 30 Jahren

Die Schulpflege hat dem Gemeinderat im Herbst 2023 einen Projektantrag vorgelegt. Dieser hat daraufhin eine Arbeitsgruppe gebildet. Extern begleitet wird die Arbeitsgruppe durch Katharina Lenggenhager von «Schulraumentwicklung.ch», welche über viel Erfahrung mit solchen Projekten verfügt. Ressortleiter Finanzen und Liegenschaften, Hannes Schärer, sagt dazu: «Wir investieren mit einem Zeithorizont von 30 bis 40 Jahren in die Schulanlagen. Daher müssen wir die Dorfentwicklung ebenso miteinbeziehen wie die Schülerzahlenprognosen. Wichtig ist uns allen, auch während der Umbauzeit möglichst keine Provisorien zu schaffen, da dies verlorenes Geld ist.» Ressortleiter Bildung Gery Romanescu ergänzt: «Aus einer Analyse der Schülerzahlen gehen wir davon aus, dass wir bis in fünf Jahren eher weniger Schüler haben werden. Das hilft uns auch beim Ablauf der Sanierung. Das drängendste Thema ist jedoch der Bereich Tagesstrukturen.» Hier könnten bereits heute die gesetzlichen Minimalvorschriften kaum mehr erfüllt werden.

Richtige Standorte

Die Arbeitsgruppe konnte auf der erarbeiteten Analyse aufbauen und vertiefte die Abklärungen zu einzelnen Themen. Katharina Lenggenhager sagt dazu: «Die Resultate der Analyse bildeten die Grundlage zur Szenarienentwicklung. Das Spannende daran ist, dass wir nicht wissen, wo wir landen, wenn wir starten.» Dennoch verfeinerte sich das Gesamtbild über die vertieften Abklärungen hinweg und führte zur Erkenntnis: Die Standorte der Schulhäuser sind richtig. Die Primarschulhäuser sind eingebettet in die Wohnquartiere und für die meisten jungen Schülerinnen und Schüler gut erreichbar. Für alle war klar: «Der grösste Bedarf für Raum ist bei der Betreuung, unabhängig der Schülerzahlen.»

Vergleich mit anderen Gemeinden im Blick

Projektbegleiterin Katharina Lenggenhager gibt Auskunft:

Was ist Ihre Rolle bei diesem Projekt?

Ich beschäftige mich seit 25 Jahren mit Schulraumentwicklung. Daher kann ich die Nürensdorfer Verantwortlichen in ihrer Entscheidungsfindung begleiten. Ich präsentiere keine Lösungen, sondern kann durch Fragestellungen und Prozessschritte Knöpfe lösen, um den Entscheidungsträgern Möglichkeiten aufzuzeigen.

Die Gemeinde profitiert von Ihrer Erfahrung. Entscheide können mit anderen Gemeinden vergleichen werden. Ist es überhaupt sinnvoll, sich zu vergleichen?

In jeder Gemeinde herrschen sicher andere Voraussetzungen. Gewisse Parallelen kann man jedoch ziehen – beispielsweise haben sich Kennzahlen herauskristallisiert, die Anhaltspunkte geben wie bei der Nutzung von Turn- und Mehrzweckhallen. Zudem weiss ich, was es heisst, Tagesstrukturen aufzubauen, wo allfällige Klippen sind. Fehler müssen wir nicht nochmals machen, sondern können auch auf Erfahrungen anderer Gemeinden aufbauen. Wichtig ist die Kommunikation in solchen Projekten: ich habe einen Werkzeugkoffer voller Methoden, um Argumente als Entscheidungsgrundlagen zu generieren.

Mit der Analyse hat man einen wichtigen Schritt getan, jetzt geht es an die Planung. Wie gehen Sie hier vor?

Wir halten uns hier an den Phasenplan des SIA. Die Planung läuft auf mehreren Ebenen gleichzeitig ab. Das grosse Ganze ist der Plan der Bauten und Sanierungen. Damit ist es jedoch nicht getan: die tägliche Nutzung und die Verteilung in den Gebäuden verlangt nach weiteren Absprachen miteinander. Daraus ergeben sich weitere Konzepte wie beispielweise ein Betriebskonzept, die Schulentwicklung oder die Raumplanung. Wir können auch nicht Jahre warten, sondern einige Themen liegen jetzt auf dem Tisch und müssen bald gelöst werden. Es ist noch ein langer Weg, dessen sind wir uns alle bewusst. (sg)

Hallennutzung am Anschlag

Ein zweites Themenfeld, welches viele Bürgerinnen und Bürger beschäftigt, ist die Nutzung der Turn- und Mehrzweckhallen für die Vereine. In letzter Zeit ist Nürensdorf immer mehr unter Druck geraten mit Ansprüchen von Sportvereinen und Veranstaltern – auch vom nahen Bassersdorf – bezüglich Infrastruktur für Anlässe sowie die Kapazitäten und Flexibilität bei der Einrichtung der Anlässe. Hannes Schärer dazu: «Die Nutzungsreglemente zeigen auf, was machbar ist neben der Nutzung für den Schulbetrieb. Wir sind für Vereine eine attraktive Gemeinde und wollen dies auch bleiben. Dazu sind wir intensiv im Gespräch und versuchen, für alle eine gute Lösung zu erarbeiten.» Aus der Analyse für den schulischen Betrieb stellte man fest, dass bereits im Vergleich mit anderen Gemeinden die Hallen den Vereinen oft zur Verfügung stehen. «Trotz gewisser Engpässe in der Nutzung dürfen wir nicht aus den Augen verlieren, wie privilegiert wir in Nürensdorf mit sieben Einzelhallen und fairen Nutzungstarifen aufgestellt sind.» Katharina Lenggenhagger unterstützt diese Sicht: «Ich sehe in anderen Gemeinden eine schlechtere Nutzungsmöglichkeit für die Vereine. Hier in Nürensdorf haben wir genügend Hallen zur Verfügung. Zudem vergessen viele, dass hinter allen solchen Bedürfnissen und Wünschen auch eine finanzielle Komponente steht.»

Fächer breit geöffnet

Im März dieses Jahres fand ein gross angelegter Workshop mit Lehrpersonen, Schulleitungen und Behördenmitgliedern statt, an dem Wünsche, Bedürfnisse und Erwartungen aufgenommen wurden. Anschliessend wurden Ideen für Umsetzungen diskutiert. Der Fächer wurde bewusst breit geöffnet, die kreativen Gedanken aufgenommen.

Umsetzung planen

Zurzeit ist die Arbeitsgruppe daran, einen modularen Plan zur Umsetzung der Erneuerung der Infrastruktur zu erarbeiten. Die Projekte in den beiden Schulanlagen Ebnet und Sunnerain werden so weit als möglich parallel realisiert, wobei die Umsetzung von dringend nötigen Massnahmen möglichst schnell an die Hand genommen werden soll. «Wir haben Sofortmassnahmen definiert, da wir nicht mit allem bis in fünf Jahren warten können. Es braucht wie in allen Projekten eine Übergangszeit», erklärt Lenggenhager. Hannes Schärer ergänzt: «Von der Bausubstanz her sind wir glücklicherweise frei genug, was zuerst kommen soll. Das verschafft uns ein wenig Luft in der Planung der Schritte.»

Was die Pläne mit Sicherheit beeinflusst ist der Fakt, dass die Renovationen, Um- und Neubauten während des laufenden Schulbetriebs realisiert werden müssen.
Geplant ist weiter, der Gemeindeversammlung im November 2024 einen Planungskredit vorzulegen und 2025 an der Urne über das Gesamtprojekt zu entscheiden. Vorgängig soll mit einer Informationsveranstaltung das Gespräch und die Diskussion gefördert werden.

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