Demokratie: Wenn die Stühle leer bleiben
Ein dicker Brief im Briefkasten – Abstimmungszettel, Stimmrechtsausweis, das rote Büchlein. Jede und jeder in Bassersdorf, Nürensdorf und Brütten erhält so die Möglichkeit, direkt über wichtige Fragen mitzuentscheiden. Doch oft landet das Couvert ungenutzt im Altpapier. Schweizweit liegt die Stimmbeteiligung bei durchschnittlich 45 Prozent. Unsere drei Gemeinden schneiden zwar besser ab, doch auch hier bleiben an den Gemeindeversammlungen viele Stühle leer.
Ein Blick auf die eidgenössischen Abstimmungen 2024 zeigt: Brütten erreichte mit 59 Prozent die höchste Beteiligung, Nürensdorf lag bei 51 Prozent und Bassersdorf bei 46 Prozent. Alle drei Gemeinden übertrafen damit den Landesdurchschnitt. Besonders hoch war die Beteiligung bei Vorlagen, die die Menschen direkt betrafen. So gingen in Nürensdorf über 64 Prozent an die Urne, als über die Pistenverlängerung am Flughafen Zürich abgestimmt wurde. In Brütten und Bassersdorf wurde die Vorlage knapp angenommen, Nürensdorf sagte deutlich Nein. Auch die Initiative zur 13. AHV-Rente mobilisierte viele, weil die Auswirkungen auf das eigene Portemonnaie spürbar sind.
Demokratie im Dorf: Die Gemeindeversammlung
Direkter als an der Urne wird Demokratie nur an der Gemeindeversammlung. Hier können Bürgerinnen und Bürger über Projekte vor der eigenen Haustür mitreden. Doch die Beteiligung schwankt stark. «Die Teilnahme hängt stark von den Traktanden ab», sagt Christian Pleisch, Verwaltungsdirektor von Bassersdorf. Auch die Gemeindeschreiber von Brütten und Nürensdorf sehen keinen klaren Rückgang, aber auch keine wachsenden Zahlen.
Um mehr Leute zu gewinnen, setzen die Gemeinden auf verschiedene Wege: Brütten verteilt weiterhin das Weisungsbüchlein in Papierform und informiert über den dorfblitz und Aushänge. Bassersdorf kombiniert Plakate, Newsletter und Apéros nach der Versammlung. Im Sommer findet die GV sogar auf dem Dorfplatz statt – mit Erfolg. In Nürensdorf setzt man ebenfalls auf Kommunikation, sieht aber keine «eine Massnahme, die überall wirkt».
Neue Ideen für mehr Beteiligung
Auch in der Region denkt man über Lösungen nach. An einem Workshop der Regionalkonferenz «glow.das Glattal» wurden Vorschläge gesammelt: Rahmenprogramme für GVs, digitale Erinnerungen oder mehr politische Bildung. Denn Gründe fürs Fernbleiben gibt es viele: mangelndes Wissen, fehlende Betroffenheit oder schlicht, dass man nicht lange im Dorf lebt.
Eines aber ist klar: Demokratie beginnt hier, im Dorf. Jede Stimme zählt – ob auf dem Stimmzettel oder mit erhobener Hand in der GV. Doch wenn zu viele Stühle leer bleiben, verliert auch in Bassersdorf, Brütten und Nürensdorf die Demokratie an Gewicht.
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