Brütten

«Brütten hat einen einmaligen Drive»

Der OK-Präsident Daniel Wiesmann legt Hand an fürs Brüttener Dorffest. Im Interview mit dem dorfblitz gibt er Einblick in die Vorbereitungen, Sicherheitsbestimmungen und was für ihn persönlich als Nächstes ansteht.

Daniel Wiesmann, OK-Präsident des Brüttener Jubiläums-Dorffestes, sieht sich als «kleines Rädli in einem grossen Gefüge». (bg)

In etwas mehr als einem Monat ist es so weit – das Dorffest «1150 Jahre Brütten» startet. Sind Sie bereit?

Ja – und zwar sowas von!

Keine Stolpersteine mehr, die aus dem Weg geräumt werden müssen?

Nur das Übliche: Von den 990 Helferschichten sind noch rund 140 offen. Helfende Hände sind dringend gesucht. Es darf jeder mithelfen, auch wenn man nicht einem Verein angehört. Es gibt keine bessere Gelegenheit, um sich im Dorf zu vernetzen.

Das letzte Dorffest vor vier Jahren galt als «grösstes Fest, das Brütten je hatte». Wollen Sie das mit dem Dorffest 2026 nun toppen?

Das ist nicht unser Ziel. Wir möchten die beiden Feste nicht vergleichen, denn mit dem Jubiläum «1150 Jahre Brütten» ist dieses Mal der Rahmen etwas feierlicher. Was wir wollen, ist ein cooles, geiles Fest, das alle begeistert. Dafür legt sich das OK ins Zeug. Wir haben geschaut, dass für jeden und jede etwas dabei ist. Speziell dieses Mal ist, dass die Blaulichtorganisationen mit Polizei, Sanität und Feuerwehr direkt auf Platz sind – und wenn alles klappt, sogar inklusive eines Rettungs-Helikopters.

Was war die grösste Hürde, die Sie bei der Vorbereitung überwinden mussten?

Es wird tatsächlich immer schwieriger, Leute zu finden, die sich ehrenamtlich für das Wohl von anderen einsetzen. Die Suche nach Helfern – wir brauchen über 250 bis 300 davon, damit alle Schichten abgedeckt sind – gestaltet sich zäher als in früheren Jahren. Leider zeigt sich hier der gesellschaftliche Trend hin zu Egoismus und Konsum: Man möchte lieber nur konsumieren, statt sich zu verpflichten und zu engagieren.

Sie planen nun seit zwei Jahren auf dieses Fest hin – was treibt Sie selbst an, unzählige Stunden Freizeit dafür zu opfern?

Vielleicht ist es genau das: Ich akzeptiere diesen gesellschaftlichen Egoismus nicht. Ich möchte, dass eine Gesellschaft eine Gemeinschaft ist, die füreinander einsteht und zusammen etwas bewegt. Dafür braucht es Projekte wie dieses Fest. Ohne Projekte sterben die Vereine und die Dörfer sonst aus. Das Fest ist insofern ein Sozialprojekt; es soll dazu dienen, sämtliche soziale Schichten zusammenzuführen. Wir wollen die ganze Bevölkerung mit ins Boot zu holen, insbesondere auch die Jungen, denn die sind unsere Zukunft. Wichtig ist mir aber zu betonen, dass ich nur ein kleines «Rädli» in einem grossen Gefüge bin. Hinter mir steht das ganze OK mit Leuten, die mehrheitlich schon beim Fest 2022 dabei waren. Die leisten alle super Arbeit.

«Das Dorffest ist auch ein Projekt. Ohne solche Projekte sterben die Vereine und die Dörfer sonst aus.»

Reden wir über Geld: Wie stemmen Sie die Finanzierung des Festes?

Wir richten das Fest im Mandat der Gemeinde aus und die Finanzierung läuft daher zum grossen Teil über die Gemeinde. Die Identifikation der politischen Vertreter der Gemeinde mit dem Fest ist sehr gross – der Gemeinderat gibt richtig Gas. Das gibt uns die Sicherheit, dass wir auch unterstützt werden, wenn etwas schiefläuft. Sehr dankbar sind wir zudem für die Unterstützung durch Sponsoren aus dem lokalen Gewerbe. Ohne dieses Engagement könnten wir einen solchen Anlass nicht in diesem Umfang durchführen. Und natürlich hoffen wir auf ganz viele Besucherinnen und Besucher, die fleissig konsumieren. Ein Minus ziehen wir gar nicht in Betracht. Wir geben alles dafür, dass es ein erfolgreiches Dorffest wird.

Ein Unsicherheitsfaktor bei Dorffesten ist immer das Wetter. Gibt es einen Plan B für Schlechtwetter?

Tatsächlich plant man immer für gutes Wetter (lacht). Aber wir haben bei der Infrastruktur geschaut, dass sie schlechtwettertauglich ist: Wir haben Zelte, und die Arena für die Konzerte ist auch gedeckt. Wir sind vorbereitet. Für den Rest bleibt uns nur: beten, damit Petrus, Gott oder welche Himmelsgötter auch immer für gutes Wetter sorgen.

Ein solches Fest birgt stets Sicherheitsrisiken. Wie sieht Ihr Sicherheitskonzept aus?

Wir haben ein umfangreiches Gesamtsicherheitskonzept erarbeitet und bei der Gemeinde eingereicht. Es erfüllt alle geltenden Normen. Mit Mario Winiger, dem ehemaligen Feuerwehrkommandanten, ist dafür eine Top-Person zuständig. Wir haben noch mehr in die Sicherheit investiert als letztes Mal und alle neuralgischen Punkte überprüft und nachgebessert.

Welche waren das?

Beim letzten Fest waren kurzzeitig mehr Personen in der Bar als zulässig; wir waren damals richtiggehend überrannt worden. Nun haben wir eine vollumfängliche Personenanzahl-Überprüfung eingerichtet. Auch die Durchgangsfrequenz beim Konzert haben wir verbessert: Wir haben die Durchgänge offener gestaltet und einzelne Stände anders platziert, so dass die Fluchtgassen grösser werden.

Wie stark ist der administrative Aufwand für solche Konzepte gestiegen?

Wir hatten bereits beim letzten Fest ein vollumfängliches Sicherheits-Dossier. Der Kanton Zürich kennt seit jeher hohe Auflagen; im Gegensatz zu anderen Kantonen im Westen. Für uns hat sich darum nicht viel verändert. Geändert hat sich die Antwort der Gemeinde auf unser Konzept: Kam das letzte Mal eine einseitige Antwort zurück, waren es dieses Mal sieben Seiten. Das zeigt: Das Thema wird bei der Gemeinde sehr ernst genommen, was wir auch begrüssen.

«Nach dem Dorffest ist es für mich vielleicht Zeit, leiser zu treten.»

Sie präsidieren neben dem Fest-OK auch den Turnverein und die Männerriege Brütten, daneben arbeiten Sie als Leiter Berufsbildung bei der Schibli Gruppe in Kloten und haben Familie – hat der Tag bei Ihnen mehr Stunden als bei anderen?

Wichtig ist, dass man sich mit guten Leuten umgibt. Ich habe sowohl bei der Männerriege wie auch beim Dorffest einen sehr guten Vorstand respektive ein sehr gutes Organisationskomitee. Und das alles geht nur dank der Unterstützung aus meinem familiären Umfeld. Zuvorderst durch meine Frau Yvonne, die mich voll unterstützt und all die Jahre mein Engagement in solchen Projekten mitgetragen hat. Sie hofft natürlich, dass ich nach diesem Projekt nicht schon wieder mit dem nächsten anfange …

Was käme als Nächstes? Ein politisches Amt?

Dafür wollten mich schon viele motivieren, aber vergebens. Nein, ich denke eher, dass es nach dem Dorffest vielleicht Zeit ist, leiser zu treten. Man muss sich in einer solchen Position auch immer bewusst sein, dass man vielleicht der jüngeren Generation den Weg versperrt und es gut ist, Platz zu machen. Mein Ziel ist, im Jahr 2031, wenn Brütten vielleicht die RMS ausrichtet – also die Regionalmeisterschaften im Turnen – nichts anderes zu tun habe als einen Tag lang Würste zu brutzeln.

Im Unterschied zu vielen Ur-Brüttenern im OK sind Sie ein zugezogener Wiesendanger, der sich an allen möglichen Fronten für Brütten einsetzt …

Das hat weniger mit Wiesendangen zu tun als mit mir. Ich finde, man kann nicht in ein Dorf ziehen, um dort einfach zu schlafen. Ich kann akzeptieren, dass andere das so machen; für mich selbst stimmt das aber nicht. Ich bin einfach der Typ, der etwas «reissen» will. Was mir in Brütten gefällt, ist, dass es hier viele solche Leute gibt wie mich; Leute, die mit dem gleichen Virus infiziert sind; Leute also, die etwas bewegen wollen. Brütten ist ein cooles aktives Dorf mit Menschen, die viele Ideen haben – und die Tatkraft, diese umzusetzen. Die Idee für das Dorffest 2022 beispielsweise entstand bei einem Glas Wein und dem Spruch «mer sött» mal wieder ein Dorffest machen. Gesagt, getan. Brütten hat da wirklich einen einmaligen Drive.

Welches ist die wichtigste Erkenntnis, die Sie aus dieser Zeit als OK-Präsident mitnehmen?

Du allein bist keiner – ohne Kolleginnen und Kollegen, viele Helfende und eine unterstützende Familie geht es nicht. So ein Fest ist eine Teamarbeit mit ganz vielen Playern inklusive der Gemeinde.

Auf welchen Programmpunkt am Fest freuen Sie sich am meisten?

Auf den Moment, an dem es nach zwei Jahren Planen endlich losgeht. Beim Spatenstich haben wir eine Flasche vergraben mit dem Ziel, diese bei Festbeginn auszugraben und damit auf das Fest anzustossen. Darauf freue ich mich enorm.

Was bleibt in Brütten zurück, wenn das Fest am 17. August vorbei ist?

Ich wünsche mir, dass der Funken, solche Feste auf die Beine zu stellen, weitergeht an die nächste Generation. Dass auch die nächste Generation den Mut hat, eine Bieridee zu haben und diese umzusetzen. Und dass der «Wir-Gedanke» gestärkt wird und hängenbleibt. Ein lebenswertes Dorf besteht nicht aus vielen «ich», sondern aus einem einzigen «wir».

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