NBN kämpft gegen Insektensterben
Mit sogenannten Trittsteingärten geht der lokale Naturschutzverein (NBN) gegen das Artensterben an. Nach dem guten Projektstart vor vier Jahren mit 41 Trittsteingärten in Bassersdorf, Nürensdorf und Brütten sind kaum weitere dazugekommen. Um den Wildbienen und generell den Insekten zu helfen, müssten dringend weitere folgen.
Wenn ein Buckelwal in der Ostsee strandet, hält dies Tausende von Menschen in Atem. Direkt vor unserer Haustür findet jedoch ein Massensterben statt, das kaum Beachtung findet: das Insektensterben. «Dabei wäre das Insektensterben ein mindestens so drängendes Thema», betont Beatrice Tschirky, Präsidentin des Naturschutzvereins Bassersdorf-Nürensdorf (NBN). «Sterben die Insekten aus, überlebt das mittelfristig auch der Mensch nicht.» Denn die Insekten helfen beim Bestäuben der Pflanzen, sie halten die Böden fruchtbar, und sie dienen als Nahrung für grössere Tiere wie etwa die Vögel, erklärt Tschirky. Gemäss Studien sind in Mitteleuropa in den vergangenen rund 30 Jahren drei Viertel aller Fluginsekten verschwunden.
Vernetzung wichtig
Um das Insektensterben aufzuhalten, hat der NBN vor vier Jahren das Projekt «Trittsteingärten» lanciert. Dabei geht es darum, dass die Menschen in der Region ihre Gärten und Balkone möglichst insektenfreundlich gestalten – etwa, indem sie einheimische Blütenpflanzen und Sträucher fördern. «Eintönige Gärten mit englischem Rasen, sauber gestutzten Kirschlorbeerhecken und exotischen Pflanzen bieten unseren Insekten weder Nahrung noch Nistplatz», sagt Tschirky. Da gleichzeitig die Insekten in der industriellen Landwirtschaft mit ihren monotonen, überdüngten Flächen keinen Lebensraum mehr finden, sei es unerlässlich, dass die Tiere wenigstens im Siedlungsraum überleben könnten.
Die Trittsteingärten unterstützen die Insekten insofern, als dass sie ihnen als Biotope für Nahrungssuche und Fortpflanzung dienen – und ihnen auch die Wanderung zwischen den einzelnen naturnahen Flecken ermöglichen. «Der Flugradius einer Wildbiene beträgt ungefähr 300 Meter», erläutert Tschirky. Sogar wenn einzelne Wildbienen noch weiterfliegen könnten, so sei der Bruterfolg dennoch geringer, weil die Biene dann mehr Energie für sich selbst brauche. «Deshalb ist eine enge Vernetzung dieser Trittsteine, sprich eine hohe Zahl insektenfreundlicher Gärten und Balkone, essenziell.»
«Wichtig ist, ein Angebot an einheimischen Blütenpflanzen bereit zu halten – das geht auch in Balkonkisten»
Netz zu wenig dicht
Doch diesbezüglich ist noch viel Luft nach oben. Momentan zählt der NBN 42 Trittsteingärten; 24 in Bassersdorf, 11 in Nürensdorf und 7 in Brütten. Dies ist nur ein Garten mehr als zu Projektbeginn vor vier Jahren. Zwar seien in der Zwischenzeit neue dazu gekommen, andere aber wegen Hausverkauf wieder verschwunden. «Natürlich gibt es in den Gemeinden auch naturnahe Gärten, die nicht offiziell als Trittsteingärten erfasst sind beim NBN», relativiert Tschirky. Trotzdem zieht sie das klare Fazit: «Das Netz der Trittsteingärten ist zu grobmaschig.»
Neben Gärten können auch Balkone als Trittsteine dienen: «Wichtig ist, ein Angebot an einheimischen Blütenpflanzen bereit zu halten – das geht auch in Balkonkisten», erklärt Tschirky. Leider sei dem NBN bisher noch kein einziger «Trittsteinbalkon» gemeldet worden.
Bienen lieben’s wild
Das Trittsteinprojekt geht Hand in Hand mit einem anderen Schwerpunkt des NBN, der Förderung der Wildbienen. Die von Wildbienen-Experte Jürg Sommerhalder aus Nürensdorf mitentwickelte Bee-finder-App schlägt präzise auf den Wohnort ausgerichtete Pflanzen vor, mit denen gezielt dort vorkommende Wildbienen-Arten im Garten gefördert werden können. Wie wichtig der Siedlungsraum für das Überleben der Wildbienen ist, hat Sommerhalder bei der Kartierung der Wildbienen festgestellt (siehe Interview unten).
Während die Menschen dem Wal in der Ostsee nicht helfen konnten, sei dies bei den Wildbienen durchaus möglich, betont Tschirky. Mit Exkursionen und Vorträgen versuche der Verein, dieses Wissen zu vermitteln und Begeisterung für die Natur zu wecken. Ziel sei, die Zahl der Trittsteingärten deutlich zu erhöhen sowie mindestens einen Trittsteinbalkon zu erfassen. Denn für die NBN-Präsidentin ist klar: «Angesichts des Artensterbens sollte jeder Garten und jeder Balkon zumindest teilweise naturnah gestaltet sein.»

