Kampf gegen nächtlichen LKW-Lärm
Seit fünf Jahren kämpft eine Bewohnerin des Richterwis-Quartiers für ihre Nachtruhe. Mit einer Petition an den Gemeinderat versucht sie nun, dem nächtlichen Motorenlärm von illegal abgestellten Lastwagen an der Grindelstrasse Einhalt zu gebieten.
In der Gewerbezone im Industriegebiet Grindel in Bassersdorf gibt es auf der Höhe der Logistikunternehmen Egger und Fischer Road Cargo entlang der Grindelstrasse zahlreiche Parkplätze der blauen Zone. Diese sind jedoch nur für Personenwagen dimensioniert. Trotzdem parkieren dort seit Jahren, vor allem nachts, schwere Lastwagen und Sattelschlepper. Die Chauffeure halten dort das Nachtfahrverbot und ihre vorgeschriebenen Ruhezeiten ein und nutzen die blaue Zone als kostenlosen Rastplatz.
Lastwagen aus dem Ausland
Darunter befinden sich zahlreiche Lastwagen aus dem Ausland, etwa aus Luxemburg oder Belgien, aber auch Fahrzeuge mit Schweizer Nummernschildern. Das Parkieren mit schweren Fahrzeugen ist dort gemäss Signalisationsverordnung nicht erlaubt. Weiter westlich, auf der Höhe des Strassenverkehrsamtes, stehen eigens bezeichnete Lastwagenparkplätze zur Verfügung.
Diese Wildparkierer sind Francisca Brechbühler seit Jahren ein Dorn im Auge. Sie wohnt im rund 80 Meter entfernten Richterwis-Quartier. Viele Chauffeure würden nach 22 Uhr rangieren und während der Nacht ihre Kühlaggregate laufen lassen, sagt sie.
«Dies raubt mir regelmässig den Schlaf, sodass ich oftmals mit nur drei Stunden Ruhe auskommen muss. Das geht an die Substanz. Schlafentzug macht krank», sagt Brechbühler gegenüber dem dorfblitz. Der dumpfe Schall der Dieselkühlgeräte liege gemäss ihren Messungen über dem nachts erlaubten Grenzwert.
Mit ihrem Anliegen ist sie bereits verschiedentlich bei der Gemeinde und der Kommunalpolizei vorstellig geworden – aus ihrer Sicht mit geringem Erfolg.
Rechtliche Schritte begrenzt
Gemeinde und Polizei haben rechtlich nur begrenzte Möglichkeiten. Mirjam Hilty, Abteilungsleitung Dienste + Sicherheit a.i. und Stv. Verwaltungsdirektorin, schreibt auf Anfrage: «Die Kommunalpolizei kontrolliert den betroffenen Bereich im Rahmen ihrer personellen Möglichkeiten praktisch täglich. Festgestellte Widerhandlungen werden konsequent mittels Ordnungsbusse geahndet.» Diese beträgt 40 Franken.
Werde ein Fahrzeug trotz Busse längere Zeit nicht entfernt, könne zusätzlich ein Rapport an das Statthalteramt erstellt werden. Bei nächtlichen Zuwiderhandlungen sei die Kantonspolizei Zürich über die Notrufnummer 117 zuständig. Rechtliche Massnahmen seien nur möglich, wenn eine Patrouille den Sachverhalt vor Ort feststellen könne.
Bei den Kontrollen sei bislang ein Lastwagen mit laufendem Kühlaggregat festgestellt worden. Brechbühler widerspricht: Nach ihrer Beobachtung komme dies etwa einmal pro Monat vor.
«Dies raubt mir regelmässig den Schlaf, sodass ich oftmals mit nur drei Stunden Ruhe auskommen muss. Das geht an die Substanz.»
Ruhestörung oder nicht?
Für Brechbühler ist die Busse von 40 Franken zu wenig wirksam. Auch die Empfehlung, die Nummer 117 anzurufen, empfindet sie als schwierig: «Wer ruft schon wegen eines solchen Falls die Notrufnummer an?»
Auch bezüglich der Nachtruhe ist die Rechtslage nicht eindeutig. Da das Gebiet an der Schnittstelle zwischen Wohn- und Gewerbenutzung liege, könnten dort auch bewilligte gewerbliche Tätigkeiten stattfinden. Nicht jede nächtliche Geräuschemission stelle deshalb automatisch eine rechtlich relevante Ruhestörung dar, so die Gemeinde.
«Dass es sich beim Zweckentfremden der Blauen Zone durch schwere Lastwagen um eine schlichte Verkehrsregelverletzung auf öffentlichem Grund handelt und nicht um eine bewilligte Gewerbetätigkeit, lässt die Gemeinde dabei unerwähnt», moniert Brechbühler.
Petition soll Druck erhöhen
Nun versucht Brechbühler, sich mit einer Petition Gehör zu verschaffen. Auf der Schweizer Petitionsplattform www.act.campax.org sammelt sie unter dem Titel «Stoppt den illegalen LKW-Dauerlärm im Grindel-Quartier» Unterschriften. Bis Redaktionsschluss haben über 30 Personen unterzeichnet. Ziel seien rund 100 Unterschriften. Unter den Unterstützenden befänden sich auch Betroffene aus der Nachbarschaft, die sich nicht öffentlich exponieren wollten. Seit Brechbühler den Link auf der Facebook-Seite «Du bisch vo Basi…» publiziert hat, wird das Thema auch kontrovers diskutiert.
In ihrer Petition fordert sie den Gemeinderat auf, an der Grindelstrasse ein Nachtparkverbot für den Schwerverkehr zu signalisieren. Zudem verlangt sie einen konsequenten Rechtsvollzug durch Gemeinde und Polizei sowie LKW-Parkflächen mit Stromanschluss im eigentlichen Industriegebiet Grindel, weiter westlich in Richtung Kloten.




