Erste Tränen bei Rolf Zemp
Der Schlüssel zu den Regierungsgeschäften ist übergeben und die Fasnacht offiziell durch Obernarr Rolf Zemp eröffnet!
Das Zelt ist gut gefüllt am 12. Februar zur Fasnachtseröffnung, die Stimmung bereits gut und die ersten Gäste – dieses Jahr Hochwohlgeborene aus Wil – betreten die Bühne. Das Prinzenpaar Julia und Christian der Fasnachtsgesellschaft Wil begrüssen die Gäste. «Fasnacht ist Brauchtum! Sie verbindet Menschen und schafft Erinnerungen», erklärt Prinz Christian. Anschliessend erfreuen sie sich im Zelt an den Klängen der Guggemusik Kookaburra, die fester Bestandteil der Bassersdorfer Fasnacht ist. Neu allerdings in Front der Gugge: Mukeline Lara! Die Musikalische Leiterin ist neu zur Gugge gestossen und dirigiert ihre Musikerinnen und Musiker mit fester Hand.
«Wichtigste Bassersdorfer Institution»
Dann wird es dunkel, entlang des Ganges vom Ausgang zur Bühne reihen sich Fakobaner auf und vor dem Eingang zum Zelt wid es laut. Die Stimme aus dem Off erzählt einige der Stationen und Höhepunkte in der 60-jährigen Geschichte des Fakoba. Am Ende dann unter drönnendem Applaus wird der Obernarr Rolf Zemp, der heuer seine letzte Fasnacht nach 28 Jahren orchestriert, auf einem Thron und «auf Händen» zur Bühne getragen. Er geniesst sichtlich diesen speziellen Auftritt und erklärt trocken: «Lieber auf einer Sänfte reingetragen, als in einer Kiste nach draussen…». Zur Würdigung haben die Fakobaner den obersten Fasnächtler der Schweiz, Heinz Hegetschweiler, eingeladen – den Präsidenten des Hefari, des nationalen Verbandes aller fasnächtlichen Organisationen in der Schweiz. «Rolf Zemp hat alle zusammengebracht: Junge, Alte, Politik und Volk und es erreicht, dass Fasnacht in Bassersdorf Kult sei», erklärt Hegetschweiler. Fasnacht sei Brauchtum und Kultur – und werde gebraucht in der Gesellschaft. Er überreicht ihm zudem einen Ehrenorden der europäischen Fasnachtsgesellschaft und ergänzt, dass er hoffe, dass Zemp den Fasnächtlern treu bleiben werde.
Vier Aufgaben in der Regierungszeit
Beim Lob über seine Arbeit winkt er ab und lobt die Teamleistung, die über all die Jahre die Fasnacht getragen habe. Alleine sei das nicht möglich und wollte die Fasnacht endlich eröffnen – man merkte ihm an, dass die ersten Emotionen an die Oberfläche quollen und die Augenwinkel feucht wurden. Er forderte Christian Pfaller auf, endlich den Schlüssel zu bringen. Gemeindepräsident Christian Pfaller liess sich jedoch nicht drängen und bestand auf den Aufgaben, die zur Regierungsübergabe gehören. Vier sind es auch dieses Jahr. Fragen zu dem mulmigsten Augenblick beantwortete er ebenso launig wie die Frage zum schönsten Augenblick und wird von Pfaller mit einem jahreszeitangepassten Geschenk beglückt.
Dann wird es richtig brenzlig und Christian Pfaller besteht darauf, dass Zemp alle 111 Minuten ein Selfie aufnimmt und unter dem Hashtag „obernarr26_ontour“ zu posten. Falls er vier Stunden schlafe pro Nacht, ergebe das rund 50 Posts, rechnet Pfaller vor. Eine schwierige Aufgabe für Zemp, der er aber sofort mit dem ersten Selfie vom Gemeindepräsidenten mit ihm nachkam. Die letzte Aufgabe ist eine Fotocollage aus seinen 28 Jahren Präsenz im Amt des Obernarrs. Und weil so niemand richtig glaube, dass er das hinkriege, überreichen ihm seine Vorstandkollegen bereits eine fertig erstellte grosse Collage und nahmen ihm die erste Aufgabe ab.
Nachdem Pfaller nochmals die Arbeit des Fakoba würdigte und sich für die gute Werbung über die Gemeindegrenzen hinaus bedankte, erhielt Zemp doch endlich den Schlüssel zu den Regierungsgeschäften und konnte die Fasnacht mit lautem Rätschen eröffnen.
Die Sache mit der Jahreszahl auf den Plaketten
Anscheinend kann auch einem geübten Team mal ein Lapsus passieren. Die diesjährige Fasnachtsplakette zeigt die Jahreszahl 2025, wie das Fakoba selbst scherzhaft auf ihren sozialen Kanälen vermeldete. Rolf Zemp beruhigte die Besucher bei der Fasnachtseröffnung: die neuen Plaketten mit 2026 sind eingetroffen und sind offiziell zu haben. (sg)

