Bassersdorf

«Wir sind ein Fitnesscenter, nur anders»

Bernhard Dettwiler, VR-Präsident der «bassersdorf x aktiv ag» (bxa), und Geschäftsführer Roland Wittmann geben Auskunft über die Stellung der bxa und die Zukunftsaussichten.

Bernhard Dettwiler, VR-Präsident der «basserdorf x aktiv ag» (li.) und Geschäftsführer Roland Wittmann setzen sich für moderne Fitnessgeräte ein.

Roland Wittmann, die bxa ist ein gewachsenes Konstrukt verschiedener Angebote…

Die bxa-Anlage ist in der Tat nur ein Standbein unseres Betriebes. Die Anlage gehört der Gemeinde Bassersdorf. Als Betriebsgesellschaft hat sie uns das Sportgeschehen zum Verwalten übergeben. Es gehört neben der bxa auch das Hallenbad Geeren, das Freibad und kleinere Anlagen wie der Vitaparcours dazu. Zudem auch die Schulsportanlagenbelegung ausserhalb der Schulzeiten durch Vereine. Also ein umfassendes Portfolio.

Wie gross ist das Team, welches dieses Portfolio stemmt?

Roland Wittmann: Unser Team besteht aus rund 50 Angestellten, darunter Teilzeitarbeitende, die gesamthaft 2100 Stellenprozente vereinen. Speziell ist sicher, dass wir uns über verschiedene Branchen verteilen: hier arbeiten Bademeister, Schwimmlehrerinnen, Fachpersonen im Betriebsunterhalt, Reinigungspersonal, Köche und kaufmännisches Personal.

Wie stark sind Sie von der Gemeinde abhängig? Wo können Sie bestimmen?

Roland Wittmann: Die Gemeinde hat die Aktienmehrheit an der bassersdorf x aktiv ag und zwar die Stimmrechts- als auch die Kapitalmehrheit. Zudem hat jeweils ein Gemeinderatsmitglied Einsitz im Verwaltungsrat – zurzeit ist dies Selina Stampfli bis im Juni. Dann wird es eine andere Person sein, da sie ihre Behördentätigkeit beendet. Operativ im täglichen Betrieb sind wir autonom. Den laufenden Unterhalt der Anlage tragen wir finanziell selbst, grössere Investitionen wie den Umbau des Sitzplatzes müssen wir frühzeitig für die Budgetrunde der Gemeinde melden. Es soll keine Überraschungen geben, da ist der Gemeinderat sehr klar in der Aussage. Für die Strategie und Entwicklung in die Zukunft gibt sich die Gemeinde stärker ein.

Bernhard Dettwiler: Wir sind momentan zwar stark eingespannt im Verwaltungsrat, es ist aber eine spannende Arbeit. Die Gemeinde ist seit einiger Zeit mit der Analyse der Sportanlagen beschäftigt und möchte für seine strategische Ausrichtung einen Planungshorizont bis 2040 abdecken. Mit dem GESAK, dem Gemeindesportanlagenkonzept, hat sie ein Grundlagenpapier erarbeitet, welches nun in Vertiefungen einzelner Themen weiter geschärft wird. Wir erhielten vom Gemeinderat den Auftrag, bis zum 30. September letzten Jahres zu prüfen, wie eine Arealentwicklung aus der bxa-Betreiberperspektive aussehen könnte, auch mit einem allfälligen Betrieb einer neuen Dreifachturnhalle hier vor Ort.

Eine Klippe ist die Auslastung der Sportanlagen …

Roland Wittmann: Als die Anlage noch der Swissair gehörte, war dieses Thema weniger im Fokus, da die Schichtarbeitenden der Swissair die Anlage tagsüber gut nutzten. Das ist heute weniger der Fall. Wir haben einzelne Organisationen wie Privatschulen und externe Vereine, welche die bxa nutzen. Eine Kombination mit dem Schulbetrieb wäre tagsüber sicher ideal. Aber diese Fragen klären wir zurzeit mit der Gemeinde.

Bernhard Dettwiler: Das Schulhaus auf dem bxa-Areal hat sich erledigt, es wäre nicht zonenkonform und eine Anpassung der BZO wäre eine grössere Sache. Dazu kommen lokale Schwierigkeiten wie Grundwasser und Hochspannungsleitungen. Wir haben in unserer Arealkonzeptstrategie aufgezeigt, welche Schwerpunkte wir in Zukunft auf unserem Areal sehen und was möglich ist. Es ist noch keine Machbarkeitsstudie, sondern zeigt Szenarien auf.

Für uns ist klar, dass die bxa ein Begegnungszentrum für die Bassersdorfer Bevölkerung sein soll

Bernhard Dettwiler

Welches sind heutige Schwerpunkte?

Roland Wittmann: Heute bilden unter anderem die Sportarten Fussball, Tennis, Unihockey und der Fitnessbereich eine wichtige Basis. Vor allem das Fitnesscenter mag räumlich klein sein, ist aber finanziell ein wichtiger Bereich. Wir sind keine Muckibude für angehende Bodybuilder, sondern legen Wert auf gesamtheitliche Fitness. Ich habe mich frühzeitig dafür eingesetzt, dass wir einen Gesundheitscenteransatz leben. An speziellen Geräten der Marke Milon können unsere Mitglieder eine Art Parcours an zwölf Geräten absolvieren. Die Voreinstellungen des Gerätes werden über einen Körperscan ermittelt, der auf einer Chip-Karte gespeichert ist. So sind auch unbetreute Zeiten möglich. Für Kontrolltrainings können Termine mit uns vereinbart werden. Diese Checks sind wichtig, damit das Programm angepasst werden kann und die Muskeln neuen Reizen ausgesetzt werden und ein optimaler Trainingserfolg auch möglich ist.

Bernhard Dettwiler: Im Fitnessbereich haben wir unsere Nische gefunden. Wir sind ein Fitnesscenter, aber eben doch keines wie die anderen. Man sieht hier alle Altersklassen trainieren. Das Center ist auf relativ kleinem Raum, zählt aber doch 850 Mitglieder.

Wäre demnach dieser Bereich auch ausbaubar?

Roland Wittmann: Wir nehmen immer auch neue Geräte mit auf. Ich besuche Sportmessen oder informiere mich im Austausch mit Kollegen im Sportzentrum Magglingen. Das Sensopro-Gerät oder der Dividat sind solche neueren Geräte, welche koordinatives oder auch kognitives Training mit einbinden und so eine ganzheitliche Förderung ermöglichen.
Bernhard Dettwiler: Zu Beginn dachten wir, diese Geräte sind viel zu teuer und haben Roland für verrückt erklärt. Mittlerweile sehen wir jedoch, dass es nicht nur ein Trend war, sondern sich bei uns perfekt etabliert hat.

Denken Sie andere Trends mit in der Zukunft?

Roland Wittmann: Das Padelfeld entstand durch private Initianten, welche bei uns eingemietet sind. Das Land für die Beachvolleyhalle wurde von der Gemeinde im Baurecht vergeben, der Bau mithilfe von Sponsoren verwirklicht. Sie nutzen unsere Infrastruktur und zahlen dafür einen Betrag, sind aber sonst autonom. Wir überlegen uns selbstverständlich, was die bxa bieten soll. Ein Thema sind Rückschlagsportarten. Dazu gehört der neue Trend Pickleball und Padel, aber auch Badminton und Tennis.

Bernhard Dettwiler: Im Zuge der Strategiediskussionen haben wir uns überlegt, was die bxa der Bevölkerung bieten soll und was ihre Aufgabe ist. Für uns ist klar, dass die bxa ein Begegnungszentrum für die Bassersdorfer Bevölkerung sein soll und der Mix der möglichen Sportarten eine wichtige Rolle für die Attraktivität einnimmt.

In Bassersdorf wird eine fehlende Mehrzweckhalle moniert. Ist da etwas mitgedacht?

Roland Wittmann: Es macht Sinn, in der Grösse der Gemeinde Bassersdorf eine Mehrzweckhalle anzu­bieten. Wir haben hier bereits eine
Mehrzweckhallennutzung. Eine umfassende Mehrzweck-Nutzung ist im täglichen Betrieb miteinzubinden schwierig. Es braucht einen Zuschauerraum für vielleicht rund 300 Personen. Dann fragt sich, ob eine Eventküche nötig ist, wie umfassend die Technik ausgelegt sein soll und wo man das Mobiliar unterbringt. Zudem ist die Mehrfachnutzung fast in allen solchen Mehrzweckhallen ein Problemfeld: Die fix eingemieteten Vereine müssen sich wegen solcher Nutzungen einschränken. Bis dato war es mit der Gemeindeversammlung dreimal im Jahr noch gut machbar.

Bernhard Dettwiler: Der Wunsch nach einer wettkampffähigen Sporthalle wurde in der Bevölkerungsumfrage und dem GESAK breit abgestützt, es fehlt aber ein Preisschild dahinter und die Fragen gehen tiefer, wenn man alle Nutzungswünsche aneinander vorbeibringen muss. Die Investitionen für eine Dreifachturnhalle mit oder ohne Mehrzwecknutzung sind gross, die laufenden Kosten mit den Abschreibern für eine solche Investition liegen schnell bei rund einer Million Franken jährlich. Es wird sich zeigen, ob die Bevölkerung gewillt ist, in der momentanen finanziellen Lage der Gemeinde diesem Anliegen ein Gewicht zu geben.

Wie wichtig ist ein Restaurant in diesem Kontext?

Roland Wittmann: Das Restaurant ist das Herzstück der Anlage, stellt aber auch eine Herausforderung für uns als Betreiber dar. Finanziell spüren wir die Corona-Nachwirkungen immer noch. Sassen früher die Vereinsmitglieder nach dem Training noch beisammen, gehen sie heute nach Hause. Ebenso ist die Anzahl an Mittagessen wegen der vielen Foodtrucks und der Homeofficearbeit zurückgegangen. Wir nutzen zwar Synergien mit der Badi und unserem Restaurant, aber auch dies ist in der Praxis dann herausfordernder als auf dem Papier.
Bernhard Dettwiler: Wenn wir die bxa als Begegnungsort etablieren wollen, dann braucht es das Restaurant. Der neu gestaltete Sitzplatz ist ein Bekenntnis dazu. Die Idee, das Restaurant von einem Pächter betreuen zu lassen, ist ebenfalls mit Risiken verbunden, da man trotz gut formulierter Verträge kaum Einfluss auf den operativen Betrieb hat.

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