Offizieller Start zum Mehrspur-Projekt Zürich-Winterthur
Gestern Donnerstag traf sich die Politprominenz auf dem Baufeld Eich zum offiziellen Startschuss des grössten Infrastrukturprojektes der SBB im Auftrag des Bundes.
In der Mitte des 30 Kilometer langen Bauperimeters, der sich von Zürich bis Winterthur erstreckt, rund 20 Meter oberhalb des Bahntrassees, wurde der symbolische «Spatenstich» vollzogen. Jedoch war kein Spaten zu sehen, sondern Bundesrat Albert Rösti (SVP), der Zürcher Regierungsrat Martin Neukom (Grüne) und SBB-CEO Vincent Ducrot enthüllten gemeinsam mit den Gemeindepräsidenten der Anreiner-Gemeinden feierlich eine Tafel. Rund 100 Personen wohnten diesem Anlass bei. Seit einigen Wochen sieht die Bassersdorfer Bevölkerung jedoch bereits, dass die Bauarbeiten längst begonnen haben. Auch auf dem Baufeld Eich stehen Bagger in Reih und Glied und warten auf den Einsatz.
Projekt der Superlative
Der Aufmarsch des höchsten Verkehrspolitikers der Schweiz und seines Kantons-Pendants deutet auf die Wichtigkeit des Projektes «Mehrspur Zürich-Winterthur» hin: Kapazitätserhöhung um 30 Prozent, rund 900 Züge, 150’000 Reisende pro Tag, Viertelstundentakt, 1 Million Franken wird pro Tag verbaut, 16 Gemeinden sind beteiligt. Vincent Ducrot nennt es ein Projekt der Superlative und die grösste Baustelle der Schweiz. Bis zu 1000 Personen werden auf der 30 Kilometer langen Strecke arbeiten .
Das rund 3,3 Milliarden schwere Projekt ist Teil der nationalen Strategie «Verkehr 45», die Kapazitätserweiterung auf Hauptstrecken durchzusetzen. Albert Rösti erwähnt, dass es der ganzen Schweiz diene und die Hauptstrecke Lausanne nach St. Gallen aufwerte und ebenso einen Kapazitätsengpass für Personen- und Güterverkehr auflöse. Zürich sei der Wirtschaftsmotor der Schweiz und generiere die grössten Verkehrsströme, auch mit dem Flughafen Zürich als Einfallstor in die Schweiz für Geschäftsleute wie für Touristen. Man investiere viel in den nächsten 20 bis 25 Jahren in die Infrastruktur, um der Nachfrage nach Mobilität nachzukommen.
«Es fliesst bereits ein Grossteil der Gelder in den Kanton Zürich, neben dem Brüttenertunnel in den Zimmberberg-Basistunnel II und die Doppelspuranpassung im Bahnhof Stadelhofen.»
Feier nicht vermiesen
Nach dem freundlichen Eingangsgeplänkel kam der Magistrat zur Sache und äusserte seinen Unmut über die scharfe Kritik des Zürcher Regierungsrates an seinen kürzlich vorgestellten Verkehrsprioritäten und einem Interview, welches sinnigerweise genau an diesem Tag in Zeitungen von CH Media erschienen war. «Ich habe Verständnis für Kritik und ich will auch diese Feier nicht vermiesen, aber es fliesst bereits ein Grossteil der Investitionsgelder in den Kanton Zürich, neben dieser Baustelle in den Zimmberberg-Basistunnel II und die Doppelspuranpassung im Bahnhof Stadelhofen.» Es stünden Zusatzwünsche von 60 Milliarden Franken schweizweit im Raum – aber nur 36 Milliarden Franken seien möglich. Sein Appell war klar: es braucht eine geeinte Achse Bern-Zürich, um dem Verkehrskonzept 2045 zum Durchbruch zu verhelfen und keine Kritik des Kantons, der ausgerechnet den grössten Betrag aus dem Kässeli erhalte und bei dem 90 Prozent der Bedürfnisse befriedigt würden.
«Dieses Projekt ist zudem ein gutes Beispiel für eine koordinierte Planung zwischen Bund und Kanton»
Wachstum stemmen können
Anschliessend versuchte Regierungsrat Martin Neukom die Wogen zu glätten und bestätigte als regelmässiger Pendler nach Zürich, wie wichtig dieser Ausbau sei und erklärt: «Mit der Mehrspur Zürich–Winterthur legen wir sozusagen einen Bypass am ÖV-Herzen der Schweiz.» Man brauche diesen Kapazitätsausbau um rund 30 Prozent, um das Wachstum im Grossraum Zürich stemmen zu können. Dieses Projekt sei zudem ein gutes Beispiel für eine koordinierte Planung zwischen Bund und Kanton: «Es ist eine gute Gelegenheit, das Velonetz entlang der Geleise zu erweitern. Diesen Aspekt haben wir von Beginn an mitgedacht und gemeinsam realisiert.» Ansonsten sei der Anteil der Mitsprache an einem solchen Projekt auch für den Kanton gering.
Symbolträchtige Quadratmeter
In Szene gesetzt wurden die acht direkt betroffenen Gemeinden mit einem Kunstprojekt. Eine Tafel von einem Quadratmeter Grösse zeigt ein Ort, den die Gemeindeverantwortlichen als symbolträchtig für ihre Gemeinde auslasen und von Peter und Stefan von Arb fotografisch umgesetzt wurde. Das sind bei den einen ein Stück Wiese, bei anderen Stromkabel oder Teile einer Unterführung. Diese Tafeln sollen dereinst im Informationszenter für die Bevölkerung zu sehen sein.
Lesen Sie weitere Informationen dazu im dorfblitz Juli, der am 30. Juli erscheint.

